Die Kontrahenten stehen sich gegenüber. Die Hüte weit ins Gesicht gezogen, begegnen sich ihre Blicke. Der Hahnspanner des Revolvers wird zurückgezogen, bis ein sanftes Klicken ertönt. Die geladene Trommelkammer wandert weiter und positioniert die Kugel auf der Höhe des Laufs. Schussbereit! Dann folgt ein BANG! – die Kugeln sausen aus dem Lauf in Richtung des Gegners, der ruckartig zur Seite springt und der Kugel auszuweichen versucht. Nur Bruchteile einer Sekunde entscheiden hier über Treffer und Fehlschuss. Oder anders gesagt, im Kartenspiel BANG! geht es ordentlich zur Sache.

Denn hier treffen der Sheriff und seine Hilfssheriffs auf Gesetzlose und Abtrünnige. Alle verfolgen ihre eigenen Ziele und liefern sich heiße Pistolen-Duelle, bis am Ende nur noch einer von ihnen übrig bleibt. Was die Sache noch spannender macht: Abgesehen von der Figur des Sheriffs weiß niemand, was der Gegenspieler für Absichten hegt, denn Alle spielen mit verdeckten Rollen und verfolgen andere Ziele. Hier gilt es Fehlschüsse zu vermeiden, Indianerangriffe abzuwehren und keinesfalls auf Verbündete zu schießen.


Spielverlag: Abacusspiele
Spielautor: Emiliano Sciarra
Erscheinungsjahr: 2002

Altersempfehlung: ab 8 Jahren
Spielerzahl: 4 – 7 Spieler
Spielzeit: 30 Minuten

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Spielzubehör von Bang!

Spielzubehör von Bang! (4te Edition)
  • 7 Spieler-Tableaus
  • 7 Rollenkarten
  • 16 Charakterkarten
  • 80 Spielkarten (braun und blau)
  • 7 Übersichtskarten
  • 30 Patronen-Marker
  • eine Spielanleitung

Ausführliche Spielregeln zu Bang!

Spielvorbereitungen

  1. Jeder Spieler erhält ein Spieler-Tableau und legt dieses vor sich ab.
  2. Die Rollenkarten werden gemischt. Jeder Spieler erhält verdeckt eine Rollenkarte.
  3. Der Spieler mit der Rolle des Sheriffs deckt seine Karte auf und gibt sich zu erkennen.
  4. Die Charakterkarten werden gemischt. Anschließend erhält jeder Spieler eine Karte und deckt diese sofort auf.
  5. Die Spieler lesen sich gegenseitig die Namen und Sonderfähigkeiten ihrer Charaktere vor.
  6. Jeder Spieler nimmt sich so viele Patronen, wie seine Charakterkarte vorgibt. Der Sheriff erhält eine zusätzliche Patrone.
  7. Die Spielkarten werden gemischt. Jeder Spieler erhält verdeckt so viele Karten, wie der Anzahl seiner Patronen entspricht.
  8. Die verbliebenen Spielkarten werden als verdeckter Nachziehstapel in die Mitte des Tisches gelegt.

Spielablauf

Jeder Spieler übernimmt in Bang! eine spezielle Rolle und verfolgt somit auch ein individuelles Spielziel. Der Spielverlauf und die einzelnen Aktionen sind aber für alle Spieler identisch. Der Spieler, der die Rolle des Sheriffs übernimmt, ist automatisch Startspieler. Die übrigen Spieler folgen im Uhrzeigersinn. Jeder Spielzug eines Spielers teilt sich in drei Aktionen ein:

1. Zwei Karten nachziehen

Ist ein Spieler an der Reihe, so muss er zuerst zwei Karten vom verdeckten Nachziehstapel auf die Hand nehmen. Sind nicht mehr ausreichend Karten vorhanden, so wird der Ablagestapel gut gemischt und als neuer Nachziehstapel verdeckt in die Mitte des Tisches gelegt.

2. Beliebig viele Karten ausspielen nachziehen

Bei dieser Aktion darf ein Spieler beliebig viele Karten aus seiner Hand ausspielen. Auf der einen Seite kann er sich dadurch selbst Vorteile verschaffen, beispielsweise kann er durch das Ausspielen einer neuen Waffe die eigene Schussweite erhöhen. Auf der anderen Seite kann er aber auch den anderen Spielern Schaden zufügen, beispielsweise durch das Ausspielen der Karten Indianer, die alle Spiele abwehren müssen und im schlimmsten Fall jeden Spieler einen Lebenspunkt kosten kann.

Welche Karten aus seiner Hand ein Spieler in dieser Aktion ausspielt und in welcher Reihenfolge, bleibt ihm überlassen. Lediglich drei Grundregeln müssen beachtet werden:

  1. Pro Spielzug darf nur eine Bang! Karte benutzt werden.
  2. Jede Karte darf ein Spieler nur einmal vor sich ausliegen haben (siehe blaue Karten).
  3. Jeder Spieler darf nur eine aktive Waffe haben.

Diese gesamte Aktion „Karten ausspielen“ ist optional. Kann oder möchte ein Spieler keine Karten ausspielen, darf er diese Aktion überspringen.

3. Zahl der Handkarten reduzieren

Am Ende seines Spielzuges darf ein Spieler nicht mehr Karten auf der Hand haben, als er Lebenspunkte besitzt. Je nach Spielverlauf und Gesundheitszustand der eigenen Rollenfigur kann das eigene Handkartenlimit also stark reduzieren.

Spielende und Gewinner

Das Spiel endet sofort, wenn eine der beiden Bedingungen eintritt:

  • Der Sheriff wurde eliminiert.
  • Alle Gesetzlosen und der Abtrünnige wurden eliminiert.

Gewonnen hat:

  • der Sheriff, wenn alle Gesetzlosen und der Abtrünnige ausgeschieden sind. Die Hilfssheriffs müssen in diesem Szenario nicht mehr am Leben sein.
  • jeder Hilfssheriff (auch bereits eliminierte), wenn alle Gesetzlosen und der Abtrünnige ausgeschieden sind und der Sheriff noch am Leben ist.
  • jeder Gesetzlose (auch bereits eliminierte), wenn der Sheriff ausgeschieden ist.
  • der Abtrünnige, wenn alle anderen Rollen ausgeschieden sind.

Die Abstandsregel in Bang!

Wild um sich schiessen kann jeder. Wer aber auch treffen will, muss die Abstandsregel berücksichtigen. Diese besagt, dass die Waffe, mit der geschossen werden soll, auch über die notwendige Reichweite verfügen muss, damit der abgegebene Schuss dem Ziel überhaupt gefährlich werden kann. Der Abstand orientiert sich dabei an der Sitzordnung der Spieler (siehe Bild).

Bang - Abstandsregel

Die direkten Nachbarn links und rechts eines Spielers haben einen Abstand von 1. UM diese zu treffeb, wird eine Waffe mit derselben Reichweite benötigt. Für jeden weiter entfernt sitzenden Spieler erhöht sich dessen Abstand pro dazwischen sitzenden Spieler um jeweils +1.

Die Spieler beginnen das Spiel mit einem Colt.45. Dieser hat eine Reichweite von 1 und kann ohne Zusatzkarte nur den direkten linken oder rechten Nachbarn erreichen. Möchte man weiter entfernt sitzende Mitspieler treffen, muss man schon größere Kaliber auffahren. Insgesamt fünf verschiedene Waffen stehen hier zur Auswahl. Eine Volcanic (Schussweite 1), eine Schoffield (2), eine Reminton (3), ein Karabiner (4) und eine Winchester (5).

Die Abstände können durch die Aktionskarten „Zielfernrohr“ und „Mustang“ beeinflusst werden.

Die Rollen und Charaktere in Bang!

Jeder Spieler übernimmt genau eine Rolle in Bang! Jede Rolle verfügt über eine individuelles Ziel um das Spiel zu gewinnen.

4 verschiedene Rollen

Bang-die-Rollenkarten

Der Sheriff – Ist automatisch Startspieler und erhält zu Beginn eine zusätzliche Patrone (=Lebenspunkt). Der Sheriff spielt von Anfang an mit offenen Visier. Jeder Spieler weiß, wer der Sheriff ist. Ziel des Sheriffs ist es, alle Gesetzlosen und den Abtrünnigen auszuschalten. Eliminiert er aus Versehen einen seiner Hilfssheriffs, verlliert der Sheriff alle Handkarten.

Die Hilfssheriffs – Sie helfen dem Sheriff bei der Jagd nach den Gesetzlosen und Abtrünnigen. Um zu Gewinnen, müssen alle Bösewichte eliminiert werden. Der Sheriff muss überleben.

Die Gesetzlosen – Als Gesetzloser spielt man quasi gegen jeden Spieler. Um zu Gewinnen reicht es aber, wenn der Sheriff eliminiert wird. Egal von wem!

Der Abtrünnige – Sein Ziel ist es neuer Sheriff zu werden. Hierzu müssen alle Spieler eliminiert werden. Der Abtrünnige gewinnt nur, wenn er als einziger Spieler überlebt.

16 verschiedene Charaktere

Jeder Spieler erhält zum Spielbeginn genau eine Charakterkarte. Dieses stattet ihn mit individuellen Vorteilen aus. Hier eine kleine Auswahl:

Bang - Charakterkarten #1-4

Willy the Kid – Kann pro Spielzug beliebig viele BANG! Karten ausspielen.

Jesse Jones – Kann während seines Spielzuges frei wählen, ob er die erste Karte vom Nachziehstapel oder aus der Hand eines Mitspielers zieht.

Jourdonnais – Wird er durch eine Bang! Karte angegriffen, darf er „ziehen“, bei Herz kommt er ungeschoren davon.

Lucky Duke – Muss er „ziehen“, so darf er jedes Mal zwei Karten aufdecken und frei entscheiden, welche der beiden Karten er nutzt.

Weitere Charaktere: Paul Regret, Slab the Killer, El Gringo, Calamity Janet, Rose Doolan, Suzy Lafayette, Black Jack, Bart Cassidy, Kit Carlson, Pedro Ramirez, Sid Ketchum, Vulture Sam.

Die Spielkarten in Bang!

In Bang! gibt es braun und blau umrandete Karten. Die braunen Karten werden direkt vor den Gegenspielern oder dem Ablagestapel ausgespielt. Die blauen Karten legen die Spieler vor sich ab (Ausnahme: Gefängnis). Diese gelten teilweise über mehrere Runden.

12 verschiedene braune Spielkarten

Jeder Spieler erhält zu Spielbeginn einen ersten Satz Handkarten. Die Anzahl entspricht immer der Zahl seiner Lebenspunkte.

Bang - Braune Aktionskarten #1-4

Bang! – Mit dieser Karte schießt du aktiv auf einen deiner Gegenspieler. Triffst du, verliert der Gegener einen Lebenspunkt. Pro Spielzug darf nur eine Bang! Karte ausgespielt werden.

Fehlschuss – Neben Bang! wohl die wichtigste Karte im Spiel. Mit dem „Fehlschuss“ wehrst du die Angriffe deiner Gegenspieler ab.

Gatling – Hiermit schießt du gleichzeitig auf alle anderen Spieler. Diese müssen reihum den Schuss abwehren oder verlieren einen Lebenspunkt.

Panik – Ziehe eine Karte von deinem linken oder rechten Nachbarn.

Weitere Spielkarten: Indianer, Duell, Warenhaus, Cat Balou, Saloon, Bier, Wells Fargo und Postkutsche.

10 verschiedene blaue Spielkarten

Blaue Karten legen die Spieler direkt vor sich ab (Ausnahme: Gefängnis).

Bang - Blaue Aktionskarten #1-4

Gefängnis – Damit wirfst du einen beliebigen Spieler in das Gefängnis. Ist dieser am Zug, kann er durch das Ziehen einer Herz-Karte wieder frei kommen.

Fass – Wird ein Spieler von einer Bang!-Karte bedroht und hat er ein Fass ausliegen, so darf er versuchen, den Angriff mit einer Herz-Karte vom Nachziehstapel abzuwehren. Gelingt dies nicht, kann er anschließend noch den „Fehlschuss“ ausspielen.

Zielfernrohr – Veringert den Abstand zu den Spielern um den Faktor 1.

Mustang – Vergrößert den Abstand zu den Spielern um den Faktor 1.

Weitere blaue Aktionskarten: Dynamit sowie fünf weitere Waffebtypen mit unterschiedlichen Reichtweiten.

Fazit zum Kartenspiel Bang!

Mit Bang! kehrt ein wenig Italo-Western Stimmung in unsere Spielerunde ein. Die Spielkarten sind schön illustriert, die Hilfstexte auf den Karten erleichtern das Verständnis bezüglich der Funktionen und ersparen uns das ständige Nachlesen in den Regeln. An die Symbole auf den Karten muss man sich dennoch gewöhnen, aber das hat man nach ein bis zwei Runden raus.

Der Einstieg ins erste Spiel gelingt erstaunlich schnell. Da in Bang! eigentlich „nur“ rumgeballert wird, beschränkt sich der Spielverlauf auf Agieren und Reagieren, also Schiessen und Ausweichen. Die zusätzlichen Aktionskarten sorgen für ein wenig Abwechslung und helfen entweder dem Spieler selbst oder fügen den Gegenspielern Schaden zu. Es geht also in erster Linie wirklich darum, den Gegner kalt zu stellen.

Die Abstandsregel funktioniert ebenfalls hervorragend und sorgt für zusätzlich Spannung. Wägt man sich eben noch in Sicherheit vor den Angriffen des zwei Reihen weiter sitzenden Spielers, wird man plötzlich von Indianern angegriffen oder muss den Querschlägern einer Gatling-Gun ausweichen. Man ist in Bang! also wirklich nie sicher.

Der Glücksfaktor ist in Bang! sehr hoch. Selbst sehr erfahrene Spieler werden ein schlechtes Blatt nur schwer positiv einsetzen können. Absolut alle Karten werden verdeckt gezogen. Das beginnt bereits mit der Zuteilung der Rolle und der Charakterkarte.

Mit fünf oder mehr Spielern funktioniert Bang! erstaunlich gut, geht schnell und macht Laune. Kleines Manko: Wird eine Spielfigur eliminiert, muss der Spieler mitunter lange warten, bis die nächste Runde beginnt. Theoretisch ist es sogar möglich eliminiert zu werden, bevor man überhaupt eine erste Karte ausgespielt hat.

Da Bang! schnell erlernbar und kurzweilig ist, kann man das Kartenspiel eigentlich fast jedem Spielertyp empfehlen. Wenig- und Gelegenheitsspieler bietet Bang! genug Abwechslung, um die Spieler über einige Runden bei Laune zu halten. Vielspielern kann man Bang! durchaus als Einstiegsspiel oder Absacker eines langen Spielabend ans Herz legen. Wer jedoch keinen Spaß an glückslastigen Spielen findet, der sollte Bang! vielleicht erst einmal bei Freunden ausprobieren.

— Herzlichen Dank an Abacusspiele für das Rezensionsexemplar! —