Brügge im 15. Jahrhundert. Die belgische Hansestadt gilt als eine der wohlhabendsten in Europa. Genau hier hin verschlägt es die Spieler im gleichnamigen Brettspiel Brügge. In der Rolle eines angesehenen Kaufmanns muss jeder Spieler seine Macht kontinuierlich ausbauben. Dabei gilt es die eigene Beziehung zu den Mächtigen und Reichen zu Pflegen, die Stadt auszubauen und Bedrohungen abzuwehren.

In jeder Spielrunde erhalten die Spieler zunächst Handkarten. Dann wird gewürfelt. Die Würfelaugen entscheiden darüber, welchen Bedrohungen die Spieler ausgesetzt werden und wie viele Gulden der Aufstieg auf der Ratsleiste kostet. Anschließend können die Spieler ihre Handkarten ausspielen und so verschiedene Aktionen ausüben. Beispielweise können Kanalarbeiten durchgeführt, Häuser errichtet oder Bedrohungen abgewendet werden. Am Ende jeder Runde wird geprüft, welche Spieler über Mehrheiten im Rat, beim Stadtausbau oder bei den Personen verfügen. Hierfür erhalten die Spieler Siegpunkte.

Am Ende des Spiels gewinnt der Spieler, der insgesamt die meisten Siegpunkte sammeln konnte.


Spielverlag: Hans im Glück
Spielautor: Stefan Feld
Erscheinungsjahr: 2013

Altersempfehlung: ab 10 Jahren
Spielerzahl: 2 – 4 Spieler
Spielzeit: 60 Minuten

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Spielzubehör von „Brügge“

  • ein Spielplan
  • 4 Punkteplättchen 50/100er
  • 6 Statuenplättchen
  • 165 Spielkarten
  • 60 Spielfirguren (Handlanger)
  • 20 Gulden mit dem Wert 1
  • 24 Gulden mit dem Wert 3
  • 45 Bedrohungsmarker
  • 40 Kanalplättchen
  • 4 große Spielersiegel
  • 4 kleine Spielersiegel
  • 8 Spielfiguren
  • 12 Mehrheitenmarker
  • 9 Übersichtskarten
  • 1 Startspielerwappen
  • 5 Würfel
  • eine ausführliche Spielanleiltung

Ausführliche Spielregeln zu „Brügge“

Spielvorbereitungen

  1. Der Spielplan wird in die Mitte des Tisches gelegt.
  2. Die 50/100er Punkteplättchen werden neben der Nummer 49 der Siegpunkteleiste gestapelt.
  3. Die acht Statuenplättchen werden nach Nummern sortiert und mit der kleinsten Ziffer oben auf das Statuenfeld des Spielplans gelegt.
  4. Alle Karten werden gemischt und in fünf gleich große Stapel geteilt. Pro Mitspieler wird nun jeweils einer der Stapel genommen und mit den anderen wieder vermischt (bei 3 Spielern also 3 der insgesamt 5 Stapel). Der neue Stapel wird dann wieder in zwei gleich große Stapel aufgeteilt. Diese werden als Nachziehstapel neben den Spielplan gelegt. Die verbliebenen Karten werden gestapelt und als „Extrastapel“ und für die Endphase des Spiels bereit gelegt.
  5. Die 60 Handlanger, die Gulden, die Bedrohungsmarker und die Kanalplättchen werden für alle gut erreichbar neben das Spielfeld gelegt.
  6. Jeder Spieler wählt eine Farbe und nimmt sich sein Spielzubehör. Das große Siegel legt er vor sich ab, das dazugehörige kleine Siegel legt er auf das Stadttor des Spielplans, dass ihm am nächsten ist.
  7. Jeder Spieler setzt eine seiner beiden Spielfiguren auf das Feld 5 der Siegpunkteleiste, die andere Figur stellt er auf das Rathaus.
  8. Jeder Spieler nimmt sich drei Mehrheitenmarker, einen Handlanger pro Farbe und 5 Gulden und legt diese vor sich ab.
  9. Jeder Spieler nimmt sich zwei Übersichtskarten, eine für den Rundenablauf und eine für die Aktionen.
  10. Der Startspieler wird ermittelt. Dieser nimmt sich das Startspielerwappen und die 5 Würfel.

Spielablauf

Gespielt wird Brügge über mehrere Runden in denen die Spieler immer abwechselnd agieren. Jede Runde besteht aus den Phasen „Karten ziehen„, „Würfeln“ und „Karten ausspielen„. Am Ende jeder Runde werden in einer vierten Phase die „Mehrheiten überprüft“ und der „Startspielerwechsel“ vollzogen.

Phase I – Karten ziehen

Zu Beginn jeder Spielrunde müssen alle Spieler ihre Kartenhand auffüllen.

Der aktuelle Startspieler eröffnet die Runde. Hierzu nimmt er so viele Karten verdeckt von beiden Nachziehstapeln auf die Hand, bis er wieder über fünf Karten verfügt. Anschließend darf er sich seine Karten ansehen. Im Uhrzeigersinn füllen die anderen Spieler ebenfalls ihre Kartenhand auf bis jeder Spieler wieder genau fünf Karten auf der Hand hält.

Die Spielkarten in Brügge werden ausschließlich in Phase III benötigt.

Nachziehstapel leer? Sollte in Phase I einmal einer der beiden Nachziehstapel leer werden, so wird der zu Spielbeginn erstellte Extrastapel als neuer Nachziehstapel bereit gelegt. Anschließend füllen die Spieler ihre Handkarten weiter auf. Sollte dabei erneut ein Stapel leer werden, wird der Extrastapel in zwei Stapel geteilt, so dass jeder Spieler beim Nachziehen immer zwischen zwei Stapeln wählen kann.

Wichtig! Sobald der Extrastapel als Nachziehstapel ins Spiel kommt, wird nur noch die laufende Spielrunde zu Ende gespielt.

Phase II – Würfeln

Diese Phase wird immer nur vom aktiven Startspieler durchgeführt. Die Würfel bestimmen die Kosten für den Aufstieg und geben Auskunft über die aktuellen Bedrohungen.

Der Startspieler würfelt mit allen 5 Würfeln und legt diese anschließend auf die Würfelleiste des Spielplans. Tipp: Sortiert die Würfel gleich aufsteigend nach der Augenzahl. Das erleichtert die folgenden Aktionen.

Bedrohungsmarker verteilen: Insgesamt gibt es 5 verschiedene Bedrohungen im Spiel: Überschwemmung, Pest, Überfall, Brand und Intrige.  Jedes Mal wenn ein Würfel eine 5 oder 6 zeigt, erhalten alle Spieler einen Bedrohungsmarker der entsprechenden Würfelfarbe. Hat ein Spieler drei Bedrohungsmarker einer Farbe erhalten, so tritt die Bedrohung ein.

Aufsteigen: Beginnend mit dem Startspieler dürfen alle Spieler reihum entscheiden, ob sie in dieser Runde um einen Schritt aufsteigen möchten. Die Kosten hierfür ergeben sich aus der Summe aller Würfel mit den Werten 1 und 2. In unserem Beispiel (siehe Bild) liegen eine 1 und zwei 2er aus. Jeder Spieler müsste also 5 Gulden bezahlen, um ein Stufe auf der Skala aufzusteigen.

Phase III – Karten ausspielen und Aktionen ausführen

Diese Phase bildet den Hauptteil jeder Runde. Hier können die Spieler durch geschicktes Ausspielen ihrer Handkarten Siegpunkte sammeln, Bedrohungen abwenden, Häuser errichten, usw.

Der Startspieler beginnt und spielt eine seiner fünf Handkarten offen aus. Damit führt er eine der sechs möglichen Aktionen aus. Anschließend geht es reihum weiter, bis jeder Spieler eine Karte ausgespielt hat.

Dann beginnt erneut der Startspieler und legt eine zweite Karte ab, die anderen Spieler folgen wieder im Uhrzeigersinn. So geht es so lange weiter, bis alle Spieler vier Karten aus der Hand abgelegt haben.

Beim Ausspielen einer Karte können die Spieler zwischen diesen sechs Aktionen wählen:

  1. zwei Handlanger nehmen
  2. einen bis sechs Gulden nehmen
  3. einen Bedrohungsmarker neutralisieren
  4. ein Kanalplättchen bauen
  5. ein Haus errichten
  6. eine Person auslegen

Haben alle Spieler vier Aktionen durchgeführt, endet diese Phase.

Phase IV – Mehrheiten überprüfen

Am Ende jeder Spielrunde werden die Mehrheiten der Spieler in drei Bereichen überprüft: Aufstiegsleiste, ausgelegte Personen, gebaute Kanalplättchen.

Jeder Spieler verfügt über drei verschiedene Mehrheitenplättchen, die auf einer Seite schwarz-weiß und auf der anderen Seite farbig bedruckt sind.

Verfügt ein Spieler am Ende einer Spielrunde über mehr ausgelegte Personen, mehr gebaute Kanalplättchen oder ist seine Figur am weitesten auf der Aufstiegsleiste vorgerückt, so darf er das entsprechende Mehrheitenplättchen auf die farbige Seite drehen.

Ein einmal auf die farbige Seite gedrehtes Mehrheitenplättchen muss nicht wieder umgedreht werden, auch wenn zwischenzeitlich ein anderer Spieler die Führung in einem der Bereiche übernimmt.

 

Startspieler wechseln

Im Anschluss an die Überprüfung der Mehrheiten wandert das Startspielerwappen im Uhrzeigersinn weiter an den nächsten Spieler. Dieser eröffnet die neue Spielrunde durch das Ziehen der Karten.

Spielende und Schlusswertung

Sobald die Spielrunde endet, in der einer der Nachziehstapel aufgebraucht und der Extrastapel eingesetzt wurde, erfolgt die Schlusswertung. Alle Spieler addieren nun alle ihre Siegpunkte aus den folgenden Bereichen:

  1. Personen: Summe aller Siegpunkte für ausliegende Peronenkarten.
  2. Personen: Siegpunkte aller Personenkarten mit einem Ehrenkranz.
  3. Häuser: Ein Siegpunkt für jedes errichtete Haus.
  4. Mehrheitenmarker: Vier Siegpunkte für jeden Marker, der auf die farbige Seite gedreht werden konnte.
  5. Kanalplättchen: Drei Siegpunkte für jedes bebaute 3er-Kanalplättchen.
  6. Aufstiegsleiste: Anzahl an Siegpunkten, die der aktuellen Position auf der Aufstoegsleiste entsprechen.

Gewonnen hat der Spieler mit den meisten Siegpunkten. Bei Gleichstand gewinnt der Spieler, der die meisten Gulden in seinem Vorrat hat.

Fazit zum Brettspiel Brügge

2013 ist zweifelsohne das Jahr des Stefan Feld. Denn innerhalb kürzeszter Zeit erschienen einige Spiele aus seiner Feder bei verschiedenen Verlagen. Bereits getestet haben wir hier beispielsweise Bora Bora und Rialto und jetzt nun Brügge, das obendrein zum Kennerspiel des Jahres 2013 nominiert wurde.

Bezüglich Material muss man Brügge einfach lieben. Michael Menzel hat hierfür 165(!) individuelle Charakterkarten geschaffen. Auch wenn sich diese in ihrer Funktion teilweise nur gerongfügig unterscheiden, so ist es dennoch eine Freude, mit jedem Spiel weitere Charaktere zu entdecken. Und auch der Rest des Spielzubehörs kann sich sehen lassen. Einzig die Kanalplättchen wirken etwas lieblos, erfüllen aber ihren Zweck.

Der Einstieg in das Spiel gelingt sehr schnell. Die Spielanleitung ist gut strukturiert und der Spielablauf schnell erklärt. Natürlich dauert es ein wenig, bis man sich mit den 165 (!) individuellen Spielkarten vertraut gemacht hat. Aber für das erste Spiel muss man diese nicht alle kennen. Und der Rest kommt von allein.

Strategen werden mit Brügge vielleicht ein paar Probleme bekommen, denn der Glücksfaktor ist durch den Einsatz von Würfeln und das verdeckte Nachziehen der Aktionskarten recht hoch ausgefallen. Das schadet dem Spiel aber keinesfalls, denn in der Summe sind alle Spielphasen sehr gut ausbalanciert. So sorgen die Würfel beispielsweise mit den hohen Augenzahlen zwar für unerwünschte Bedrohungsmarker, bringen auf der anderen Seite aber auch wieder Gulden in die Kasse. Und das wird in Brügge dringend benötigt.

Brügge empfehlen kann man allen Spielern, die nicht strikt einem Plan folgen müssen, sondern flexibel auf unerwartete Änderungen reagieren können und wollen. Wer es liebt, immer wieder Strategien anzupassen und etwas Pech im Spiel durch intelligenten Einsatz von Aktionen auszugleichen, der kann bei Brügge nicht viel verkehrt machen.