Mit Love Letter veröffentlicht Pegasus ein Kartenspiel auf dem deutschen Markt, das eigentlich zu einer Serie von Spielen gehört und von AEG vertrieben wird. Gemeint ist die Tempest-Reihe, zu denen auch die Spiele Courtier, Dominare, Mercante und Canalis gehören.

In allen Spielen – so auch in Love Letter – tauchen immer wieder bereits bekannte Figuren aus den anderen Spielen auf. Deren Schicksale ereignen sich allesamt im Stadtstaat Tempest, der das Spiele-Universum für die Spielserie stellt. Auch sind die einzelnen Handlungen der verschiedenen Spiele teilweise miteinander verwoben, so dass es sich durchaus lohnen kann, auch einmal einen Blick auf die anderen Spiele der Tempest-Reihe zu werfen.

Aber zurück zu Love Letter. Zunächst verfügt das Kartenspiel über eine sehr schöne, märchenhafte Hintergrundgeschichte: Die bezaubernde Prinzessin wartet im Schloss sehnsüchtig auf ihren Prinzen. Ihr Vater möchte sie dagegen lieber lukrativ mit einem wohlhabenden Mann aus dem benachbarten Königreich vermählen. Der Prinzessin kommt es aber nicht auf Reichtum und Macht an. Vielmehr möchte sie begehrt und erobert werden und die wahre Liebe finden. Als Verehrer müssen die Spieler es schaffen, entgegen allen Widerständen, ihren Liebesbrief in die Gemächer der Prinzessin zu bringen.

Im Spiel funktioniert das dann so: In Love Letter gibt es acht verschiedene Personen (inkl. der Prinzessin), einige davon gibt es mehrfach. Jede Person steht der Prinzessin unterschiedlich nahe und hat so auch unterschiedlich gute Möglichkeiten, den Liebesbrief zu übergeben. Weiter verfügt jede Person über genau eine bestimmte Sonderfähigkeit, mit der sie die Pläne der anderen Verehrer durchkreuzen kann.

Die Spielregeln sind denkbar einfach. Jeder Spieler hat immer genau eine Personenkarte auf der Hand. Ist ein Spieler an der Reihe, darf er eine zweite Personenkarte auf die Hand nehmen und muss anschließend eine seiner beiden Handkarten ausspielen. Die Aktion der Karte muss dann sofort durchgeführt werden. So geht es reihum weiter, wobei regelmäßig Spieler ausscheiden, bis nur noch ein Spieler übrig bleibt oder aber der Nachziehstapel aufgebraucht ist.

Bleibt nur ein Spieler übrig, so kann er den Liebesbrief überbringen und erhält dafür als Dankeschön ein Herz von der Prinzessin. Bleiben mehrere Spieler im Rennen, so überbringt die Person den Liebesbrief, die der Prinzessin am Nähsten steht. Auch hierfür gibt es natürlich ein Herz.

Wer über mehrere Spielrunden die meisten Herzen der Prinzessen sammeln konnte ist automatisch der Gewinner von Love Letter.


Spielverlag: Pegasus
Spielautor: Seiji Kanai
Erscheinungsjahr: 2013

Altersempfehlung: ab 10 Jahren
Spielerzahl: 2 – 4 Spieler
Spielzeit: 30 Minuten

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Spielzubehör von Love Letter

  • 4 Übersichtskarten
  • 16 Personenkarten
  • 12 Herzen (aus Holz)
  • eine Spielanleitung

Ausführliche Spielregeln von Love Letter

Spielvorbereitungen

  1. Alle Personenkarten werden gemischt. Anschließend erhält jeder Spieler eine Personenkarte verdeckt auf die Hand. Die restlichen Personenkarten werden als verdeckter Nachziehstapel in die Tischmitte gelegt.
  2. Jeder Spieler nimmt sich eine Übersichtskarte.
  3. Die oberste Karte des Nachziehstapels wird als Reservekarte verdeckt beiseite gelegt.

Besonderheit im Spiel zu zweit: Zusätzlich zu den beschriebenen Vorbereitungen werden die oberen drei Personenkarten des Nachziehstapels offen in die Mitte des Tisches gelegt.

Spielablauf

Eine Partie Love Letter wird über mehrere Runde gespielt. Der Startspieler beginnt, die anderen Spieler folgen nacheinander im Uhrzeigersinn.

Ist ein Spieler an der Reihe, dann muss er immer zuerst die oberste Personenkarte vom Nachziehstapel verdeckt auf die Hand nehmen und anschließend eine seiner beiden Personenkarten von der Hand offen ausspielen.

Jede Personenkarte verfügt dabei über einen Wert und eine Funktion. Der Wert einer Karte bestimmt die Nähe der abgebildeten Person zur Prinzessin. Die Funktion der Karte bestimmt die Aktion, die nach dem Ausspielen sofort ausgeführt werden muss – auch wenn dies zum eigenen Nachteil des Spielers wird.

Werte und Funktionen der Personenkarten

  • Die Prinzessin (8): Wer diese Karte ablegt, scheidet sofort aus der laufenden Runde aus.
  • Die Gräfin (7): Muss sofort abgelegt werden, wenn ein Spieler zusätzlich den König oder Prinzen auf der Hand hat.
  • Der König (6): Erlaubt den Tausch der verbliebenen Personenkarte mit der eines Mitspielers.
  • Der Prinz (5): Ein Mitspieler darf bestimmt werden. Dieser muss seine Handkarte ablegen und eine neue Personenkarte ziehen.
  • Die Zofe (4): Die Zofe schützt den Spieler eine Runde vor den Kartenfunktionen der Mitspieler.
  • Der Baron (3): Erlaubt das Anschauen der Handkarte eines Mitspielers. Der Spieler, dessen Karte den niedrigeren Wert hat, scheidet aus dem Spiel aus.
  • Der Priester (2): Erlaubt dem Spieler, die Handkarte eines Mitspielers anzuschauen.
  • Die Wächterin (1): Die Personenkarte eines Mitspielers darf erraten werden. Liegt man richtig, scheidet dieser Spieler aus.

Eine Spielrunde endet…

Durch die Funktionen der Personenkarten scheiden im Spielverlauf immer mehr Spieler aus, bis nur noch ein Spieler übrig bleibt. Dieser erhält als Zeichen der Zuneigung der Prinzessin ein Herz.

Sollten mehrere Spieler noch Karten auf der Hand haben UND der Nachziehstapel ist aufgebraucht, dann gewinnt der Spieler mit dem höchsten Kartenwert (mehrere Gewinner möglich). Auch dieser erhält ein Herz zur Belohnung.

Spielende und Gewinner des Spiels

Zum Spielgewinn müssen die Spieler über mehrere Spielrunden die Herzen der Prinzessin sammeln. Die erforderliche Anzahl ist abhängig von der Spielerzahl:

  • 2 Spieler = 5 Herzen
  • 3 Spieler = 4 Herzen
  • 4 Spieler = 3 Herzen

Das Spiel endet, sobald ein Spieler nach Abschluss einer Spielrunde die benötigte Anzahl an Herzen besitzt. Das ist dann auch der Gewinner von Love Letter.

Fazit zum Kartenspiel Love Letter

Das Kartenspiel Love Letter lässt sich in wenigen Worten bewerten (Achtung: Wir bewerten hier die Version von Pegasus und nicht die von AEG). Das Spielzubehör ist außergewöhnlich gut. Die Spielkarten sind überdurchschnittlich groß und sehr stabil, die Illustrationen einfach bezaubernd. Ob man die Holzherzen nun kitschig findet oder nicht ist wohl eher subjektiv. Auf jeden Fall hat man sich bei Pegasus die Mühe gemacht und nicht einfach Standardmarker beigelegt.

Die Spielregeln sind denkbar kurz. Karte nachziehen, eine Karte ausspielen, Kartentext befolgen. Fertig. Somit eignet sich das Spiel hervorragend für jede Gelegenheit. Nur als abendfüllendes Spiel kann man Love Letter nicht empfehlen.

Trotz des minimalistischen Zubehörs (16 Karten!) und einer simplen Regel besticht das Spiel mit einem enorm hohen Wiederspielreiz. Das liegt wohl zum einen daran, dass eine Partie Love Letter sehr schnell gespielt ist. Zum anderen sind die Aktionen der Personenkarten aber auch gut aufeinander abgestimmt und laden regelrecht zum Pokern und Bluffen ein. Da kommt gelegentlich Spannung auf.

Beispielsweise muss man die Gräfin ausspielen, wenn man zusätzlich einen König oder Prinzen auf der Hand hat. Es sagt aber keiner, dass man sie nicht auch Ablegen darf, wenn man noch eine andere Karte besitzt. So kann man die anderen Spieler schnell hinters Licht führen und ungeeignete Aktionen provozieren. Auch mit der Wächterin kann man die anderern Spieler sehr schön ärgern. Denn errät man nach dem Ausspielen der Wächterin die Handkarte eines Spielers, dann ist er sofort raus aus der laufenden Runde. Liegt man dagegen falsch, dann passiert einem selbst nichts.

Dass bei Love Letter neben diesen kleinen, taktischen Elementen auch das Glück/Pech ordentlich mitspielt, erkennt man bereits an der Aktion der Prinzessin. Wer diese Ablegen muss, scheidet sofort aus. Beispielsweise spielt ein Spieler den Prinzen aus und fordert so den Spieler mit der Prinzessin auf, diese abzulegen. Das wars dann schon. Im schlimmsten Fall war das dann sogar die erste Aktion des Spielers in der Runde. Aber eine Spielrunde geht schnell und auch Zuschauen ist bei Love Letter recht spannend. Es wird also für niemanden langweilig.

Wo viel Sonne ist, da ist auch Schatten – ein kleines Manko hat das Spiel dann doch: Wenn auch für zwei Spieler ausgewiesen, ist Love Letter zu zweit fast unspielbar. Die Spannung und der Charme des Spiels gehen bei „nur“ zwei Spielern verloren. Mit drei Spielern wird es deutlich besser und bei voller Besetzung macht Love Letter richtig Spaß.