Über das Kartenspiel Bohnanza braucht man nicht mehr viel schreiben. Das Spiel ist ein moderner Klassiker und gehört faktisch in jeden Spieleschrank. Mit „Mein erstes Bohnanza“ wird dieses tolle Spiel nun auch im Segment der Kinderspiele ab 4 Jahren eingeführt. Hierzu haben sich Amigo und die verantwortlichen Autoren ordentlich ins Zeug gelegt und das original Kartenspiel regelrecht seziert, in seine wesentlichen Bestandteile zerlegt und daraus ein Grundspiel mit zahlreichen Lernschritten sowie Übergangsregeln entwickelt.

Gespielt wird natürlich auch bei „Mein erstes Bohnanza“ ums leidige Geld – beziehungsweise um Bohnentaler. Jeder Spieler bestellt seine Bohnenfelder und muss zusehen, dass er immer passende Bohnensorten anbaut und vollständige Felder aberntet. Je nach Bohnensorte und Anzahl an Karten erhält er dafür einen oder mehrere Taler. Wer bei Spielende der reichste Spieler ist, gewinnt auch die Partie.

Um den Einstieg in das Spiel zu erleichtern, werden zunächst nur vier Bohnensorten genutzt und eine „Querbeetregel“ eingeführt, die das Anbauen verschiedener Bohnensorten auf einem Feld ermöglicht. Über weitere Lerschritte werden neue Bohnensorten in das Spiel integriert, der Ankauf eines Bohnenfeldes ermöglich und so weiter – bis letztendlich die Summe aller Spielregeln zu „Mein erstes Bohnanza“ den eigentlichen Spielklassiker vermittelt haben. Von der Grundidee schon mal nicht schlecht, zumal diese Bohnanza-Variante auch erwachsenen Neulingen beim Einstieg helfen kann.

Infos zum Spiel

Spielverlag: Amigo
Spielautor: Heike Kiefer, Hayo Siemens, Uwe Rosenberg
Erscheinungsjahr: 2015

Altersempfehlung: ab 4 Jahren
Spielerzahl: 3 – 5 Spieler
Spielzeit: 30 Minuten

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Spielzubehör von Mein erstes Bohnanza

  • 5 Bohnenfeld-Tafeln, aufklappbar mit zwei oder drei Bohnenfeldern
  • 20 Karten „Gemeine Bohne“
  • 16 Karten „Saure Bohne“
  • 16 Karten „Dicke Bohne“
  • 8 Karten „Stinkbohne“
  • 14 Karten „Schwertbohne“
  • 12 Karten „Riesenbohne“
  • 10 Karten „Zwergbohne“
  • 9 Karten „Zauberbohne“
  • 8 Karten „Drachenbohne“
  • 6 Karten „Prinzessinnenbohne“

Ausführliche Spielregeln und Lernschritte

Spielvorbereitungen

Aufbau für drei Spieler
Aufbau für drei Spieler

In der einfachsten Spielvariante wird nur mit allen Karten der Sorten Gemeine-, Saure-, Dicke- und Stinkbohne gespielt. Diese werden zu einem Stapel zusammengelegt und gemischt. Der Stapel wird mit der Talerseite nach oben in die Tischmitte gelegt.

Jeder Spieler erhält ein Bohnenfeld-Tableau, das dritte Feld wird weggeklappt. Weiter erhält jeder Spieler fünf Karten vom verdeckten Stapel und legt diese offen und von links beginnend in einer Reihe vor sich ab.

Spielablauf

Ziel des Spiels ist es, durch cleveres Sähen und Ernten von Bohnen auf den eigenen Bohnenfeldern möglichst viele Bohnentaler zu verdienen. Wer bei Spielende davon die meisten besitzt, gewinnt auch mein erstes Bohnanza.

In der Einsteigervariante ab vier Jahren wird zunächst nur mit vier unterschiedlichen Bohnentypen gespielt: der gemeinen Bohne, der sauren Bohne, der dicken Bohne und der Stinkbohne.

Die Bohnenkarten der Einsteiger-Variante
Die Bohnenkarten der Einsteiger-Variante

Der jüngste Spieler beginnt, die anderen Spieler folgen nacheinander im Uhrzeigersinn. Ist ein Spieler an der Reihe, so durchläft er immer die drei Phasen: Bohnen anbauen, Bohnen aufdecken und tauschen und Bohnenkarten nachziehen.

Bohnen anbauen
Bohnen anbauen

Bohnen aus der eigenen Reihe anbauen:  Wer etwas ernten möchte, der muss vorher auch sähen. Als Saat stehen dem Spieler hierzu die fünf Karten seiner Auslage zur Verfügung. Dabei muss die Kartenreihe immer von links nach rechts abgearbeitet werden. Ein Überspringen einer Bohnensorte ist nicht erlaubt.

In dieser Spielphase muss der Spieler die äußerste linke Bohnenkarte auf einem seiner zwei Bohnenfelder anbauen. Er nimmt die Karte aus der eigenen Auslage und legt sie auf dem Bohnenfeld-Tableau ab. Anschließend darf er noch die nun links außen liegende Bohnenkarte zusätzlich anbauen. Er muss aber nicht.

Bohnen anbieten und tauschen
Bohnen anbieten und tauschen

Bohnenkarten aufdecken und tauschen: Wie unter guten Händlern üblich, werden die eigenen Waren jetzt gehandelt. Hierzu muss der aktive Spieler zunächst zwei neue Bohnenkarten vom Nachziehstapel aufdecken. Diese zwei Karten und alle eigenen, noch nicht angebauten Bohnenkarten kann er seinen Mitspielern jetzt zum Tausch anbieten. Die Mitspielern können dabei nur Karten der eigenen Auslage eintauschen.

Jede getauschte Karte muss von den Spielern sofort auf ein eigenes Bohnenfeld angebaut werden und kann nicht übergangsweise in der eigenen Kartenauslage „geparkt“ werden. Sollte der aktive Spieler die beiden aufgedeckten Karten nicht unter die Leute bekommen oder gar behalten wollen, muss er diese ebenfalls sofort anbauen.

Bohnen ernten
Bohnen ernten

Bestellte Bohnenfelder abernten: Im unteren Bereich jeder Bohnenkarte ist eine Münze und eine Zahl abgebildet. Die Zahl bestimmt die Anzahl an gleichen Bohnenkarten, die der Spieler nacheinander auf einem Bohnenfeld angebaut haben muss, damit er dieses gegen Bezahlung abernten darf. Beispielsweise vier saure Bohnen. Zum Ernten muss ein Spieler nicht zwingend an der Reihe sein. Alle geernteten Karten werden offen auf einen Ablagestapel gelegt. Der Spieler erhält hierfür einen Taler (Rückseite einer Karte), den er auf einen separaten Stapel vor sich ablegt.

Am Ende seines Spielzuges zieht ein Spieler nacheinander drei neue Bohnenkarten vom Nachziehstapel und legt diese rechts an seiner Kartenreihe an.

Schritt für Schritt neue Regeln einbauen

Das Besondere an Mein erstes Bohnanza ist wohl, dass den Spielern Schritt für Schritt neue Spielelemente nähergebracht werden. Mit jedem weiteren Lernschritt kommen neue Karten oder Spielregeln ins Spiel – bis am Ende der eigentliche Klassiker Bohnanza gespielt werden kann.

Zur Vereinfachung des Spiels: Die Querregel.
Zur Vereinfachung des Spiels: Die Querbeetregel.

Lernschritt 0 – der Einstieg: Neben der reduzierten Bohnenkartenzahl wird in der Kennlernphase eine Zusatzregel integriert, die das Anbauen und Ernten der Bohnen erleichtern soll: Die Querbeetregel.

Diese gestattet es einem Spieler, verschiedene Bohnensorten auf einem Bohnenfeld anzubauen. Zwar muss auch hier die Anzahl nacheinander angebauter, gleicher Bohnenkarten zum Ernten erfolgen, jedoch darf ein Spieler die bis dato verdeckten Bohnenkartenreihen wieder erweitern und später abernten.

Lernschritt 0,5: Nach den ersten Spielrunden sollten die Bohnenkarten ausgetauscht werden. Die bereits bekannten vier Bohnentypen kommen aus dem Spiel, dafür wird jetzt mit den verbliebenen sechs Bohnensorten gespielt. Hier werden nun Bohnen mit höherem Wert integriert. Der Spieler muss entscheiden, wann er eine Sorte anerntet und den entsprechenden Lohn dafür einfahren.

Die restlichen Bohnenkarten
Die restlichen Bohnenkarten

Lernschritt 1: Jetzt wird mit allen zehn Bohnenarten gespielt und auch das dritte Bohnenfeld wird erstmal eingesetzt. Da durch den Einsatz aller Karten keine reinen Talerkarten mehr vorhanden sind, muss ein Spieler beim Abernten einen Teil seiner eigenen Bohnenkarten in Taler umandeln und nur die verbliebenen Karten auf den Ablagestapel legen. Dadurch schrumpft der Ablagestapel zusehends und die Spielrunden werden kürzer.

Lernschritt 2: Die Querbeetregel wird gestrichen. Muss ein Spieler eine neue Bohnensorte anbauen und hat kein freies Bohnenfeld mehr, so muss er eines seiner Bohnenfelder frei machen – ohne Bezahlung.

Lernschritt 3: Alle Spieler starten mit zwei Bohnenfeldern. Das dritte Bohnenfeld ist bei Spielbeginn verdeckt und kann gegen Abgabe von drei Talern zugekauft werden.

Lernschritt 4: Die eigene Kartenauslage wird gestrichen. Alle Spieler nehmen ihre Karten verdeckt auf die Hand. An der Zugreihenfolge ändert sich jedoch nichts. Die Karten werden weiterhin von links ausgespielt und von rechts auf die Hand genommen. Ein Sortieren der Handkarten ist nicht gestattet.

Lernschritt 5: Zuletzt wird die Schutzregel eingeführt. Diese sorgt dafür, dass ein Spieler eine Bohnenfeld mit nur einer Karte nur dann abernten darf, wenn auf allen seinen Bohnenfeldern jeweils nur eine Karte ausliegt.

Spielende und Gewinner des Spiels

Im Spiel zu dritt endet eine Partie Mein erstes Bohnanza, sobald der Nachziehstapel aufgebraucht wurde. Mit jedem zusätzlichen Mitspieler wird der Nachziehstapel jeweils ein weiteres Mal durchgespielt. Wer bei Spielende die meisten Taler besitzt, gewinnt auch das Spiel. Noch nicht angebaute oder abgeerntete Bohnenkarten sind hierbei wertlos.

Fazit zum Kartenspiel Mein erstes Bohnanza

Die Kartenspielreihe Bohnanza von Uwe Rosenberg hat schon etliche Varianten und Erweiterungen erfahren, die allesamt bei Amigo erschienen sind. Jetzt folgt mit „Mein erstes Bohnanza“ also eine weitere Variante, die primär einen leichteren Einstieg in das Kartenspiel ermöglichen soll, aber auch mit neuen Bohnenkarten ausgestattet wurde.

Das Spielzubehör entspricht derselben Qualität wie alle Kartenspiele von Amigo – also sehr gut. Warum allerdings auf den neuen Bohnenkarten die Namen der Bohnen nicht abgedruckt wurden, erschließt sich uns nicht so ganz. Insbesondere beim Spielaufbau wäre das recht hilfreich, da man jetzt immer die Abbildungen in der Spielregel abgleichen muss, bis man die neuen Bohnen verinnerlicht hat. Berücksichtigt man, dass bereits Vierjährige mitspielen sollen, wären auch stabilere Bohnenfeld-Tableaus wünschenswert gewesen. Diese wurden nur auf normalem Papier aufgedruckt und können leicht verknicken. In Sachen Spielzubehör für Kinder wäre hier definitiv mehr möglich gewesen.

Die veränderten Spielregeln sind dann aber in der Tat gut strukturiert. Das Kartenspiel beginnt mit wenigen Karten und einem simplen Ablauf (Anbauen, Abernten und Geld kassieren). Über weitere Lernschritte werden immer wieder neue Elemente ins Spiel integriert. So lernen die Kinder Schrittweise, auf was es bei Bohnanza ankommt. Und auch Erwachsenen gelingt der Einstieg in die Bohnanza-Welt so viel leichter. Der angestrebten Zielgruppe ab einem Alter von vier Jahren kann man das Spiel und die vereinfachten Regeln durchaus vermitteln. Je nach Fortschritt des Kindes geht das sogar recht schnell. Allerdings mussten wir in unserer Testrunde feststellen, dass die Vierjährigen sich für das Spielthema (Anbauen, Ernten, Geld verdienen) nur begrenzt begeistern konnten. Die Bohnen sehen einfach zu wenig nach Feuerwehrmännern, Geistern, Rittern, Piraten, usw. aus. Zudem haben die ganz Kleinen das aktive gegeneinander Spielen – also auch mal gemein sein und ärgern – noch nicht so verinnerlicht. Bei Kindern im Vorschulalter klappt das Ganze deutlich besser. Übrigens: Wer hier gegenteilige Erfahrungen gemacht hat, kann uns gerne anschreiben und darüber berichten.

Insgesamt bietet „Mein erstes Bohnanza“ neue Bohnenkarten und einen leichteren, schrittweisen Einstieg in das original Bohnanza-Kartenspiel – sowohl für Kinder als auch Erwachsene. In Familien bei denen die jünsten Mitglieder bei Bohnanza regelmäßig nur zuschauen durften, könnte das Spiel gut ankommen. Ebenso bei erwachsenen Wenigspielern, denen immer wieder von Bohnanza vorgeschwärmt wurde. Hier ist die Chance zu einem seichten Einstieg in dieses tolle Spiel!

– Herzlichen Dank an Amigo für das Rezensionsexemplar –