Aus alt mach neu oder zumindest benutzbar! So oder ähnlich werden sich das die Menschen vor mehreren tausend Jahren gedacht haben, als sie zahlreiche kleine Stofffetzen mit viel Mühe zu einer großen Decke verarbeiteten. Die daraus entstandene Textiltechnik, das so genannte Patchwork, hat sich heute längst zur Kunstform erhoben und nun auch den Weg in die Welt der analogen Brettspiele gefunden. Nämlich im neuen Spiel Patchwork von Uwe Rosenberg (Agricola, Glasstraße), das speziell für zwei Spieler konzipiert wurde.

In Patchwork erhält jeder Spieler ein Spielertableau, das eine Decke darstellt, und ein wenig Startkapital in Form von Knöpfen. In der Tischmitte liegen über 30 Stoffflicken, die sich in ihrer Form, dem Anschaffungspreis und im Zeitaufwand bei der Verarbeitung unterscheiden. Dem jeweils aktiven Spieler stehen in seinem Spielzug immer drei dieser Flicken zur Auswahl. Möchte er davon eines in seiner Decke verarbeiten, so muss er den Preis in Knöpfen bezahlen und den Stofflicken sofort auf einer freien Fläche seines Spielertableaus platzieren.

Flickenteppich in Patchwork
Zeitsteine auf dem Tableau.

Bei der Verarbeitung des Stoffflickens auf der eigenen Decke verstreicht Zeit, die ebenfalls auf dem gekauften Plättchen in Form einer Sanduhr abgebildet ist. Diese benötigte Zeit bei der Verarbeitung markiert der Spieler mit seinem Spielstein auf der Zeittafel. Dabei überschreitet er gelegenlich Abbildungen von Knöpfen – insgesamt neun Mal. Zu diesem Zeitpunkt erhät der Spieler immer so viele Knöpfe aus dem allgemeinen Vorrat, wie in seiner Decke zum aktuellen Zeitpunkt verarbeitet wurden. Jede Investition in teure Stoffflicken zahlt sich im Spielverlauf also auch wieder aus.

Sollten einem Spieler doch mal die Knöpfe ausgehen, kann er seinen Zeitstein einfach vor den des Mitspielers ziehen. Für jedes überquerte Feld auf der Zeittafel erhält er dann einen Knopf.

Sobald die Zeitsteine beider Spieler das Ende erreicht haben, erfolgt die Schlusswertung. Jeder Knopf bringt den Spielern einen Pluspunkt. Jedes noch freie Feld auf der eigenen Decke bringt dagegen zwei Minuspunkte. Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt die Partie.

Infos zum Spiel

Spielverlag: Lookout Spiele
Spielautor: Uwe Rosenberg
Erscheinungsjahr: 2014

Altersempfehlung: ab 8 Jahren
Spielerzahl: 2 Spieler
Spielzeit: 30 Minuten

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Spielzubehör von Patchwork

Spielzubehör von Patchwork.
  • 1 doppelseitiger Wertungsplan
  • 1 Rundenmarker
  • 1 Bonusmarker 7×7
  • 2 Spielertableaus
  • 2 Zeitsteine (1 pro Spieler)
  • 5 quadratische Flicken-Plättchen (Spezialflicken)
  • 33 beidseitig bedruckte Flicken-Plättchen in unterschiedlichen Formen
  • 50 Knopf-Plättchen (=Währung) mit den Werten 1, 5, 10 und 20

Ausführliche Spielregeln zu Patchwork

Spielvorbereitungen

Spielertableaus und Startkapital.
Spielertableaus und Startkapital.

Jeder Spieler erhält eines der beiden Spielertableaus und den dazugehörigen Zeiststein. Das Tableau legt jeder Spieler vor sich ab. Den Zeitstein platziert er auf dem Startfeld des Wertungsplans.

Als Startkapital nimmt sich jeder Spieler fünf Knöpfe (Wert=1) aus dem allgemeinen Vorrat und legt sie neben sein Spielertableau.

Aufgebautes Patchwork-Spielfeld

Der Wertungplan wird in die Tischmitte gelegt. Beide Seiten den Plans können benutzt werden. Die fünf kleinen, quadratischen Spezialflicken werden an die entsprechenden Stellen des Plans gelegt.

Der allgemeine Vorrat an Knöpfen wird neben den Plan gelegt, ebenso das 7×7 Bonusplättchen.

Die restlichen Flicken-Plättchen werden kreisförmig um den Wertungsplan verteilt. Die Reihenfolge ist beliebig. Der Rundenmarker wird zwischen das kleinste Flicken-plättchen und den im Uhrzeigersinn nachfolgenden Flicken gestellt.

Spielablauf

Ziel des Spiels ist es, zahlreiche Flicken auf seinem Spielertableau (= Decke) aufzunähen, so dass am Ende möglichst wenige Felder unbedeckt bleiben. Jedes freie Feld bedeutet Minuspunkte. Zusätzlich müssen die Spieler auf ihren Knopfhaushalt achten, da diese am Ende die eigentlichen Siegpunkte einbringen.

Das Spiel beginnt derjenige, der zuletzt etwas genäht hat. Da in Patchwork auch der Faktor Zeit eine Rolle spielt, ist am Ende eines Spielzugs nicht zwingend der Mitspieler an der Reihe, sondern immer der Spieler, dessen Zeitstein auf dem Wertungsplan am weitesten hinten steht. In seinem Spielzug kann der Spieler dann immer entweder neue Flicken-Plättchen aufnehmen und in seiner Decke verarbeiten oder seinen Zeitstein vor den des Mitspielers setzen und dafür Knöpfe kassieren. Sobald die Zeitsteine beider Spieler das Ende des Wertungsplans erreichen, endet das Spiel und die Schlusswertung erfolgt.

Aktion 1 – Flicken-Plättchen aufnehmen und verarbeiten

Insgesamt 33 Flicken-Plättchen befinden sich bei Spielbeginn im Umlauf. Hinzu kommen noch 5 Spezialflicken, die über die Spielsteine auf der Zeittafel einkassiert werden können.

Flicken auswählen

Die Auswahl an Flicken ist trotz der insgesamt großen Anzahl durchaus eingeschränkt. Dem Spieler stehen in seinem Spielzug immer nur die drei Flicken-Plättchen zur Verfügung, die sich im Uhrzeigsersinn betrachtet direkt neben dem hölzernen Rundenmarker befinden.

Flicken auswählen, bezahlen und verarbeiten.

Wählt der Spieler hiervon einen Flicken aus, so nimmt er den Flicken zu sich und stellt den Rundenmarker an dessen Position. So wandert der Marker jede Runde weiter. Den Preis in Knöpfen für den Flicken zahlt der Spieler aus dem eigenen in den allgemeinen Vorrat. Die auf dem Flicken angegebene Zeit für die Verarbeitung in der Decke geht der Spieler mit seinem Zeitstein auf dem Wertungsplan weiter.

Aktion 2 – Zeitstein vorsetzen und Knöpfe kassieren

Zeitstein ohne weitere Aktion vorziehen.

Kann oder möchte ein Spieler keinen Flicken aufnehmen, so darr er in seinem Spielzug adarauf verzicheten. Dafür muss er aber seinen Zeitstein soweit vorsetzen, dass er auf dem Feld vor seinem Mitspieler landet. Für jedes weitergezogene Feld erhält der Spieler dann einen Knopf aus dem allgemeinen Vorrat.

Neue Knöpfe und Spezialflicken

Spezialflicken erhalten.
Spezialflicken erhalten.

Überschreitet ein Spieler beim Weiterziehen des Zeitsteins als erster ein der Felder mit einem Spezialflicken, so darf er sich den darauf befindlichen Flicken wegnehmen, muss ihn aber sofort auf einem freien Feld seiner Decke verarbeiten. Die Aktion kostet den Spieler weder Knöpfe noch zusätzliche Zeit.

Gelb bekommt neue Knöpfe.
Gelb bekommt neue Knöpfe.

Überschreitet der Spieler beim Weiterziehen des Zeitsteins ein Knopffeld, so muss er alle blauen Knöpfe zählen, die er auf seiner Decke bis dahin verarbeitet hat. Die Summe an Knöpfen kann er sich dann aus dem allgemeinen Vorrat nehmen.

Spielende und Gewinner des Spiels

Die fertige Decke wird gewertet.
Die fertige Decke wird gewertet.

Eine Partie Patchwork endet, sobald beide Zeitsteine der Spieler das Ende des Wertungsplans erreicht haben. Jetzt addieren die Spieler ihre Knöpfe. Für jedes freie Feld auf ihrer Decke geben sie zwei Knöpfe ab. Wer am Ende über die meisten Knöpfe verfügt, gewinnt das Spiel.

Ein Beispiel: Die Decke des Spielers (im Bild) konnte nicht ganz fertiggestellt werden. Insgesamt 7 Löcher weist seine Decke noch auf. Für jedes einzelne dieser Löcher erhält der Spieler zwei Minuspunkte, also ingesamt -14 Punkte. Im Vorrat des Spielers befinden sich aber noch 21 Knöpfe. Somit beendet der Spieler die Partie Patchwork mit 7 Pluspunkten.

Fazit zum Brettspiel Patchwork

Von Uwe Rosenberg ist man bereits einiges gewohnt – vor allem epische Ressourcen-Management Spiele wie Agricola, Le Havre oder Caverna. Mit Patchwork hat er uns nun wieder einmal gezeigt, dass er auch andere tolle Spiele entwickeln kann. Das 2-Personenspiel ist thematisch innovativ, verfügt über einen guten Spielmechanismus und ist mit Abstand das beste Spiel für zwei Personen, das wir seit langem auf dem Tisch hatten.

Und selbst das Spielzubehör hat es uns hier angetan. Auch wenn die „Decke“ eigentlich ein Tableau ist, so ist wirklich alles sehr, sehr schön gestaltet worden. Hier steckt insgesamt sehr viel Herz drin. Und die Spielregel ist wohl die kürzeste, die wir von Uwe Rosenberg bisher in der Hand hatten. Die ist in wenigen Minuten gelesen, dennoch erreicht das Spiel eine unerwartete Spieltiefe und man gerät hin und wieder schon ins Knobeln.

Wer oft zu zweit spielt, sollte sich dieses Spiel zulegen. Besser geht es eigentlich nicht mehr!

ÜBERBLICK DER REZENSION
Originalität / Idee
90 %
Spielzubehör
88 %
Langzeitspaß
90 %
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