Wir befinden uns im Jahre 1347. Die Ratten (lat. Rattus) tragen den schwarzen Tod von einem Land ins andere und verbreiten die Pest über ganz Europa. Die Menschen fliehen von Ort zu Ort, verschanzen sich in den vermeintlich sicheren Burgen oder aber beten, dass sie von der Pest verschont bleiben. Im Brettspiel Rattus wird all das atmosphärisch nachgespielt.

Jeder Spieler übernimmt die Verantwortung für ein Volk und muss dieses sicher durch diese furchtbare Zeit bringen. Dabei dürfen sie die Mittel und Möglichkeiten von sechs verschiedenen Stände nutzen, um die eigene Bevölkerung in Sicherheit zu bringen.

Nimmt man die Dienste des Königs in Anspruch, darf man einzelne Personen in die Burg entsenden, wo sie dauerhaft geschützt bleiben. Mithilfe der Kirche kann man dagegen durch Beten die bevorstehende Bedrohung abwenden und die Pest in andere Landstriche auf der Karte verschieben. Und auch durch Zauberkunst kann man die Rattenplagen schwächen und so die eigene Bevölkerung verschonen. Doch damit nicht genug. Das Bürgertum kann sich große Reisen leisten und die Flucht quer durch Europa finanzieren, das Landvolk durch eine gesteigerte Fortpflanzung das eigene Aussterben verhindern und zuletzt das Rittertum durch Kampf die anderen Mitspieler zusätzlich schwächen.

In jeder Runde müssem die Spieler zunächst neue Bevölkerungseinheiten ins Spiel bringen. Parallel können sie die Dienste der verschiedenen Stände jeweils einmal in Anspruch nehmen und so das Geschehen auf dem Spielplan zu ihren Gunsten verändern. Abschließend wütet in den meisten Fällen am Ende einer Runde die Pest. Betroffene Bevölkerungsmarker gelangen so vom Spielplan zurück in den Vorrat der Spieler.

Sobald ein Spieler alle seine Bevölkerungsmarker auf dem Spielplan platzieren konnte oder der allgemeine Vorrat an Rattenplättchen aufgebraucht ist, endet das Spiel. Wer nun die meisten Bevölkerungseinheiten auf dem Spielplan stehen hat, gewinnt Rattus.

Infos zum Spiel

Spielverlag: White Goblin Games, Huch & Friends
Spielautor: Ase Berg, Henrik Berg
Erscheinungsjahr: 2010

Altersempfehlung: Ab 10 Jahren
Spielerzahl: 2 – 4 Spieler
Spielzeit: 45 Minuten

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Spielzubehör von Rattus

Spielzubehör von Rattus
Spielzubehör von Rattus
  • 1 Spielplan
  • 80 Bevölkerungsmarker (je 20 pro Spieler)
  • 12 Rattenplättchen für die Startaufstellung
  • 49 Rattenplättchen für den Spielverlauf
  • 6 große Ständekarten (Bauern, Bürgertum, Kirche, Ritter, Zauberer und König)
  • 1 Pestfigur
  • eine Spielanleitung

Ausführliche Spielregeln zu Rattus

Spielvorbereitungen

Spielaufbau von Rattus
Spielaufbau von Rattus

Der Spielplan wird in die Mitte des Tisches gelegt. Die Pestfigur wird auf ein beliebiges Feld des Spielplans gestellt. Alle Ständekarten werden offen neben den Plan gelegt.

Die 12 Rattenplättchen für die Startaufstellung werden herausgesucht, verdeckt gemischt und anschließend auf die einzelnen Regionen des Spielplans verteilt. Alle übrigen Rattenplättchen werden ebenfalls verdeckt gemischt und als allgemeiner Vorrat neben den Spielplan gelegt.

Jeder Spieler nimmt sich die 20 Bevölkerungsmarker in einer Farbe seiner Wahl. Beginnend mit dem Startspieler setzen alle Spieler nacheinander zwei Bevölkerungsmarker in eine Region. Anschließend setzen alle in umgekehrter Reihenfolge zwei weitere Bevölkerungsmarker in eine beliebige Region.

Spielablauf

Der Startspieler beginnt. Die anderen Spieler folgen nacheinander im Uhrzeigersinn. Ist ein Spieler an der Reihe, so durchläuft er immer die folgenden drei Phase:

  1. Ständekarte nehmen (optional)
  2. Bevölkerungsmarker einsetzen
  3. Pestfigur verschieben

Nach dem Verschieben der Pestfigur kann es zum Ausbruch der Pest in einem Land kommen. In diesem Fall werden die Pestmarker ausgewertet und betroffene Bevölkerungsmarker wieder vom Spielplan genommen.

Eine Ständekarte nehmen – Vorteile sichern und Risiken eingehen

Ein Spieler kann zu Beginn seines Spielzuges immer eine Ständekarte zu sich holen. Entweder nimmt er sich die Karte aus der allgemeinen Auslage oder aber er nimmt diese einem Mitspieler ab. Anschließend legt er die Ständekarte offen und gut sichtbar für Alle vor sich ab.

Ständekarten bringen ihrem Besitzer auf der einen Seite bestimmte Vorteile. Auf der anderen Seite erhöhen die aber auch das Risiko, dass eine Pest unter der eigenen Bevölkerung ausbricht. Ein Spieler kann auch mehrere Ständekarten gleichzeitig besitzen. In seinem Spielzug kann er dann von allen Vorteilen profitieren.

Eine einmal genommene Ständekarte muss so lange behalten werden, bis sich ein anderer Spieler die Karte nimmt. Ein Abgeben oder Zurücklegen von Ständekarten ist nicht möglich.

Königtum, Rittertum und Kirche

König, Ritter und Mönch
König, Ritter und Mönch

Der König: Kann einen Bevölkerungsmarker dauerhaft zu sich in die Burg holen.

Der Ritter: Verschiebt die Pestfigur um bis zu zwei Felder- Zählt bei der Auswertung des Rattenplättchens als +2 Bevölkerungsmarker.

Der Mönch: Verschiebt einmal pro Spielzug ein Rattenplättchen in eine angrenzende Region.

Zauberkunst, Bürgertum und Landvolk

Hexe, Kaufmann und Bauer
Hexe, Kaufmann und Bauer

Die Hexe: Darf zwei Rattenplättchen in einer oder zwei  Region anschauen und vertauschen.

Der Kaufmann: Kann bis zu drei Bevölkerungsmarker in eine angrenzende Region verschieben.

Der Bauer: Darf einen zusätzlichen Bevölkerungsmarker auf dem Spielplan platzieren.

Neue Bevölkerungsmarker auf dem Spielplan einsetzen

Jeder Spieler verfügt über 20 Bevölkerungsmarker. Vier davon wurden bei den Spielvorbereitungen bereits auf dem Spielplan platziert. Die übrigen 16 Marker gilt es nun ebenfalls auf die verschiedenen Länder zu verteilen und möglichst vor der Pest zu schützen.

Ein Rattenplättchen bedeutet, dass nur ein weiterer Marker abgelegt werden darf.
Ein Rattenplättchen bedeutet, dass nur ein weiterer Marker abgelegt werden darf.

Einmal pro Spielzug muss ein Spieler eigene Bevölkerungsmarker in ein beliebiges Land auf dem Spielplan setzen. Die Anzahl der Marker richtet sich dabei nach der Zahl der Rattenplättchen, die sich in dem Land befinden.

Es können so viele Bevölkerungsmarker in ein Land gesetzt werden, wie sich Rattenplättchen darin befinden. Das bedeutet allerdings auch, dass keine unverpesteten Gebiete besiedelt werden können.

Die Pestfigur verschieben und neue Rattenplättchen verteilen

Jeder Spielzug eines Spielers endet immer damit, dass sich die Pest mittels Pestfigur auf dem Spielplan in ein angrenzendes Gebiet fortbewegt. Beim Verschieben der Pestfigur gelten die folgenden Regeln:

  • Die Pestfigur muss verschoben werden.
  • Die Pestfigur kann nur in benachbarte Länder weiterziehen (Ausnahme: Rittertum)
  • Die Pestfigur darf auch in Regionen wandern, in denen kein Rattenplättchen liegt.

Befinden sich in der neuen Pestregion keine Rattenplättchen und keine Bevölkerungsmarker, dann geschieht nichts weiter. Liegt aber mindestens ein Rattenplättchen und ein Bevölkerungsmarker in der Pestregion, dann muss geprüft werden, ob die Pest in diesem Land ausbricht. Hierzu zwei Beispiele:

Beispiel 1: Die Pest bricht aus

Die Pest wandert mit der Figur nach Germania.
Die Pest wandert mit der Figur nach Germania.

Die Pestfigur wird verschoben und Germania somit zur neuen Pestregion. Da sich hier ein Rattenplättchen und mehrere Bevölkerungsmarker befinden, muss nun geprüft werden, ob die Pest zuschlägt oder ob die Bevölkerung des grünen und blauen Spielers verschont bleibt. Hierzu wird das Rattenplättchen zunächst umgedreht.

Bei 3 oder mehr Markern bricht die Pest aus.
Bei 3 oder mehr Markern bricht die Pest aus.

Die Zahl auf dem Rattenplättchen gibt an, ab welcher Anzahl an Bevölkerungsmarkern die Pest ausbricht. Die Symbole unterhalb der Zahl geben Auskunft darüber, wer von der Pest betroffen ist. Hier können entweder Ständesymbole oder aber ein „A“ (Alle) oder „M“ (Mehrheit) abgebildet sein.

Im Beispiel bricht die Pest bei drei oder mehr Bevölkerungsmarkern aus. Diese Bedingung ist erfüllt. Das Symbol „A“ bedeutet „Alle“. Jeder Spieler muss nun einen seiner Marker aus dem Land zurücknehmen und in seinen eigenen Vorrat legen.

Beispiel 2: Die Pest bricht nicht aus

Es fehlt mindestens ein Marker. Die Pest bricht nicht aus.
Es fehlt mindestens ein Marker. Die Pest bricht nicht aus.

Die Pestfigur wandert weiter nach Hungaria. Da sich auch hier ein Rattenplättchen und mehrere Bevölkerungsmarker befinden, wird das Plättchen umgedreht.

Im Beispiel würde die Pest bei vier oder mehr Bevölkerungsmarkern ausbrechen. Diese Bedingung ist nicht erfüllt, da sich nur drei Marker in der Region befinden. Es passiert also nichts.

Von einem Ausbruch betroffen gewesen wären zunächst alle Spieler, die die Ständekarten Rittertum, Kirche oder Bürgertum vor sich ausliegen haben. Des Weiteren müsste durch das Symbol „A“ jeder Spieler einen seiner Marker aus dem Land zurücknehmen.

Nach dem Ausbruch der Pest kommen alle aufgedeckten Rattenplättchen aus dem Spiel. Jene Bevölkerungsmarker, die sich auch nach dem Ausbruch noch in der Region befinden, stehen also nun auf unverseuchtem Gebiet.

Die Pest auf Nachbarregionen verbreiten

Die Pest wandert weiter.
Die Pest wandert weiter.

Wurde die Pestfigur in ein Land verschoben, in dem sich ein Rattenplättchen befand, so muss der Spieler zum Abschluss seines Spielzuges nun noch dafür sorgen, dass sich die Pest weiter ausbreiten kann. Hierzu legt er ein Rattenplättchen aus dem allgemeinen Vorrat verdeckt in eines der angrenzenden Länder legen.

Lagen sogar zwei oder mehr Rattenplättchen in der Pestregion, darf der Spieler sogar zwei neue Rattenplättchen verdeckt in beliebige, angrenzende Regionen legen.

Spielende und Gewinner des Spiels

Eine Partie Rattus endet, sobald eine der beiden Bedingungen erfüllt ist:

  • Alle Rattenplättchen aus dem allgemeinen Vorrat wurden aufgebraucht.
  • Alle Bevölkerungsmarker eines Spielers befinden sich auf dem Spielplan.

Anschließend wird noch eine letzte Runde gegen den Uhrzeigersinn gespielt, in der alle anderen Spieler noch einmal die Sonderfähigkeiten ihrer Ständekarten nutzen können. Es dürfen keine neuen Ständekarten mehr aufgenommen und keine Bevölkerungsmarker mehr eingesetzt werden. Auch die Pestfigur wird nicht mehr versetzt.

Waren alle Spieler noch einmal an der Reihe, werden in jeder Region alle Rattenplättchen aufgedeckt und gegebenenfalls ausgewertet – zum Abschluss des Spiels wütet also noch einmal die Pest in allen Regionen, in denen sich Ratten und Menschen zugleich befinden.

Sieger ist am Ender der Spieler, der noch die meisten Bevölkerungsmarker auf dem Spielplan stehen hat. Bei Gleichstand gewinnt der Spieler, der regulär als nächstes an der Reihe gewesen wäre.

Fazit zum Brettspiel Rattus

Das Thema „Pest im Mittelalter“ hat es in sich, die Spielumsetzung ist aber phänomenal. Die Spielanleitung zu Rattus ist ansprechend gestaltet worden und zudem sehr gut strukturiert. Man kommt schnell ins Spiel rein und findet bei Bedarf auch während des Spielverlaufs schnell passende Antworten auf ungeklärte Fragen.

Auch das Spielzubehör ist von ordentlicher Qualität. Der Spielplan wirkt auf den ersten Blick zwar „unnötig“ klein, das hat aber durchaus seinen Sinn. Denn im Spiel werden immer wieder Ständekarten von einem Spieler zum nächsten weitergereicht. Dadurch benötigt man auf allen Seiten des Plans ausreichend Platz zum Ablegen der Ständekarten. Da diese dankenswerter Weise sehr groß ausgefallen sind, ist es daher erfreulich, dass nicht auch noch der Spielplan den halben Tisch einnimmt.

Das Spiel bietet zahlreiche taktische Möglichkeiten und auch verschiedene Spielweisen. Die Fähigkeiten der einzelnen Stände können beliebig kombiniert werden, auch wenn es hier natürlich Top-Teams gibt. Beispielsweise bilden der Bauer und der Kaufmann ein tolles Gespann. Mit dem einen kann man mehr Bevölkerungsmarker in Pestverseuchte Regionen unterbringen, um diese mit dem anderen sofort in eine „saubere“ Region zu verschieben. Und auch die Hexe und der Mönch sind nicht zu verachten, da man mit der einen Pestmarker anschauen und mit dem anderen diese dann verschieben kann. Und auch mit der König und der Ritter passen hervorragend zusammen. Während der König eigene Mannen in seine Burg holt und fortamn schützt, kann man mit dem Ritter die Spielaktionen der Mitspieler sehr gut stören.

An den Beispielen sieht man schon, dass sich Rattus auch sehr unterschiedlich spielen lässt. Die friedlicheren Spieler versuchen jeder für sich so viele Bevölkerungsmarker auf dem Plan in Sicherheit zu bringen wie nur möglich. Mit einer etwas agressiveren Spielweise kann man aber auch Runde für Runde den Spielaufbau der Mitspieler stören. Rattus bietet hier für beide Spielweisen ausreichend Möglichkeiten.

Alles in allem ein wirklich tolles Spiel, das auch nach X-Spielrunden nicht langweilig wird.

ÜBERBLICK DER REZENSION
Originalität / Idee
92 %
Spielzubehör
85 %
Langzeitspaß
83 %
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