Nach dem irgendwie erfrischend anderem Memory-Spiel Memoarrr! erscheint bei Pegasus mit Memorinth eine mindestens ebenso innovative Memory-Variante. Dieses Mal verschmelzen zwei bekannte Spielsysteme, nämlich Memory und Labyrinth, zu einem neuen Spielerlebnis: dem Memorinth.

Thematisch begeben sich die Spieler hier in die Märchenwelt. Nach dem klassischem Hänsel-und-Gretel-Motiv müssen sie ihre Spielfigur aus dem Waldlabyrinth hinausführen. Dabei werden immer abwechselnd Waldkarten eines 5×5 Felder großen Rasters umgedreht. Auf jeder dieser Waldkarten ist ein Weg und eine von acht Märchenfiguren abgebildet. Über die Wege auf den Waldkarten müssen die Spielfiguren zum Ausgang gehen, die Märchenfiguren darauf weisen ihnen dagegen die Himmelsrichtung, in die sie auf ihren Wegen gehen dürfen.

Wer hier schnell zum Ziel beziehungsweise Ausgang kommen möchte, muss sich also nicht nur die Märchenfiguren auf den Karten gut merken, sondern obendrein noch die Ausrichtung des Weges, der auf den Karte abgebildet ist. Denn in Memorinth geht es nicht nur darum, die passende Karte für die benötigte Laufrichtung aufzudecken. Man muss seiner eigenen Spielfigur auch erstmal einen Weg zum Ausgang quer durch das Labyrinth bauen.

Wer das als erster Spieler schafft, gewinnt auch Memorinth. Und wem das jetzt zu leicht gefallen ist (und das ist es keinesfalls!), für den gibt es noch zwei Meister-Memorinth Varianten, bei denen zum einen wie im klassischen Labyrinth-Spiel Wegkarten verschoben werden können. Zum anderen taucht hier auch noch ein Kobold auf den Wegkreuzungen auf, den man erst entlohnen muss, damit er einen weiterziehen lässt. Auch in den Varianten gewinnt am Ende der Spieler, der es zuerst aus dem Memorinth herausschafft.

Infos zum Spiel

Spielverlag: Pegasus
Spielautor: Richard Haarhoff
Erscheinungsjahr: 2020

Altersempfehlung: ab 6 Jahren
Spielerzahl: 2 – 4 Spieler
Spielzeit: 15 Minuten

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Spielzubehör zu Memorinth

Spielzubehör von Memorinth
Spielzubehör von Memorinth
  • 1 Spielkarte – Lichtung / Startkarte
  • 8 Spielkarten – Märchenfiguren
  • 1 doppelseitige Spielkarte – Aktionen
  • 1 doppelseitige Startspielerkarte
  • 4 Spielfiguren aus Holz
  • 6 Glückskleemünzen

Überblick und Spielregeln zu Memorinth

Spielvorbereitungen

Spielaufbau des Grundspiels.
Spielaufbau des Grundspiels.

Die Lichtungskarte (auf der Start steht) wird mit der hellen Seite nach oben in die Tischmitte gelegt.

Alle 24 Waldkarten werden zu einem 5×5 Felder großen Raster drum herum ausgelegt. Achtet dabei darauf, dass neben jeder hellen immer eine dunkle Waldkarte liegt (Schachbrettmuster!) und auf allen Karten die Baumwurzeln oben sind.

Die Karten mit den 8 Märchenfiguren werden verdeckt gemischt. Anschließend werden je 2 Karten offen an eine der vier Seiten des Spielfeldes gelegt.

Jeder Spieler entscheidet sich für eine Farbe, nimmt sich die entsprechende Spielfigur und stellt sie auf die Lichtungskarte. Ein Startspieler wird ermittelt. Dieser erhält zusätzliche die Startspielerkarte und legt sie mit der Sonnenseite nach oben vor sich ab. Das Spiel kann beginnen.

Was nicht benötigt wird: die einzelne doppelseitige Aktionskarte und die Münzen kommen zurück in die Schachtel. Diese werden erst in der Variante Meister-Memorinth benötigt (mehr dazu weiter unten).

Spielablauf

Ziel des Spiels ist es, die eigene Spielfigur so schnell wie möglich aus dem Labyrinth (oder hier besser Memorinth) zu führen. Hierzu muss ein Laufweg durch den Wald für die eigene Figur geschaffen werden. Weiter muss jeder Spieler die richtigen Märchengestalten finden, die ihnen den Weg aus dem Labyrinth weisen.

Liegt die Sonnenseite oben, dürfen nur helle Waldkarten umgedreht werden.
Liegt die Sonnenseite oben, dürfen nur helle Waldkarten umgedreht werden.

Das Spiel eröffnet der Spieler, der die Startkarte mit der Sonne vor sich liegen hat. Laut Spielregel ist das der Spieler, der zuletzt ein Märchen gelesen hat. Die anderen Spieler folgen dann nacheinander im Uhrzeigersinn.

Der Startspieler wählt eine beliebige helle Waldkarte und dreht sie um (1). Dann bewegt er, sofern möglich, seine Spielfigur um ein Feld in die Richtung der auf der Karte abgebildeten Märchengestalt (2). Hier im Bild wäre das der Froschkönig. Zuletzt dreht der die Startkarte von der Sonnen- auf die Mondseite und reicht sie an den nächsten Spieler im Uhrzeigersinn weiter (3). Sein Spielzug ist damit beendet.

Liegt die Mondseite oben, dürfen nur dunkle Waldkarten umgedreht werden.
Liegt die Mondseite oben, dürfen nur dunkle Waldkarten umgedreht werden.

Nun ist der nächste Spieler an der Reihe. Er hat die Mondseite vor sich liegen. Deshalb wählt er eine beliebige dunkle Waldkarte, dreht sie um (4) und zieht seine Spielfigur, sofern möglich, um ein Feld weiter (5). Hier im Bild wäre da in Richtung der 7 Zwerge.

Anschließend dreht er die Startkarte wieder auf die Sonnenseite und reicht sie dem nächsten Spieler (6). So geht es immer weiter, bis der erste Spieler seine Figur aus dem Memorinth geführt hat.

Die acht Märchen in Memorinth.
Die acht Märchen in Memorinth.

Um eine Spielfigur zu bewegen, müssen immer zwei Dinge passen. Erstens muss der Waldweg von der aktuellen Position der Spielfigur auf der angrenzenden Waldkarte fortgesetzt werden. Ist das nicht der Fall, kann die Figur nicht bewegt werden. Zweitens muss auf der gerade umgedrehten Waldkarte die passende Märchengestalt abgebildet sein. Acht Märchenfiguren liegen rund um den Spielplan verteilt. Die eigene Figur wird jeweils um ein Feld in die Richtung weitergezogen, die zur Märchenfigur passt. Ein konkretes Beispiel hierzu folgt jetzt.

Beispiel für einen ganzen Spielzug in Memorinth

Der gelbe Spieler erhält die Startspielerkarte. Diese zeigt den Mond. Es ist Nacht. Der Spieler darf in seinem Spielzug nur dunkle Waldfelder auswählen und umdrehen. Davon aber ein beliebiges leeres Feld. Einzige Bedingung: es darf sich keine Spielfigur auf dem Feld befinden.

Der gelbe Spieler ist an der Reihe und hat darf nur dunkle Waldkarte im Memorinth drehen.
Der gelbe Spieler ist an der Reihe und hat darf nur dunkle Waldkarte im Memorinth drehen.

Der Spieler entscheidet sich für die direkt angrenzende Waldkarte. Diese zeigt aktuell noch die Goldene Gans. Er merkt sich die Märchengestalt, da er sie in einem späteren Spielzug nochmal benötigen könnte. Ebenso merkt er sich die Form und den Verlauf des Weges. Kann ja sein, dass er wieder zurücklaufen muss oder einem anderen Spieler den Weg versperren möchte.

Er entscheidet sich für die benachbarte Waldkarte mit der Goldenen Gans.
Er entscheidet sich für die benachbarte Waldkarte mit der Goldenen Gans.

Anschließend dreht er die Waldkarte auf ihre Rückseite. Diese zeigt jetzt einen gespiegelten Wegverlauf. Weiter gibt sich das Rotkäppchen auf dem Weg zu erkennen.

Er dreht sie um, auf der Rückseite ist das Rotkäppchen abgebildet.
Er dreht sie um, auf der Rückseite ist das Rotkäppchen abgebildet.

Der Spiele legt die Karte mit der hellen Waldseite nach oben zurück auf ihren Platz um Raster. Er hat gleich zweimal Glück. Erstens passt der Weg perfekt zu seiner aktuellen Position. Zweitens befindet sich die Rotkäppchenfigur an der richtigen Seite des Spielplans, so dass er seine Spielfigur um ein Feld weiterziehen kann.

Er legt die Karte umgedreht an ihren Platz und bewegt sich um ein Feld in Richtung Rotkäppchen.
Er legt die Karte umgedreht an ihren Platz und bewegt sich um ein Feld in Richtung Rotkäppchen.

Zuletzt dreht der Spieler die Startkarte wieder von der Mond- auf die Sonnenseite und gibt sie an seinen linken Sitznachbarn. Sein Spielzug ist damit vorbei.

Spielende und Gewinner des Spiels

Das Spiel endet, sobald der erste Spieler seine Figur aus dem Memorinth führen konnte – also von einer der Randkarten weiter in Richtung Spieltisch. Das ist dann automatisch der Gewinner.

Wem das zu einfach war, der kann sich gerne an einer der beiden Meister-Varianten versuchen.

Das Meister-Memonrith: Variante 1 und 2

Wer es gerne etwas anspruchsvoller mag, der kann eine der beiden Spielvarianten zu Memorinth ausprobieren.


Variante 1 von Memorinth.
Variante 1 von Memorinth.

Variante 1: Das Spielfeld wird wie im Grundspiel aufgebaut. Allerdings wird an jede Seite des Rasters nur eine Märchenfigur-Karte ausgelegt. Zusätzlich kommt die Vorderseite der Aktionskarte ins Spiel. Legt die Karte neben das Spielfeld und die restlichen 4 Märchenkarten an jeweils eine der Seiten der Aktionskarte.

Wird im Spielverlauf nun eine der vier Märchengestalten aufgedeckt, die neben der Aktionskarte liegt, so darf der Spieler seine Spielfigur nicht bewegen. Stattdessen muss er Karten im Spielfeld verschieben. Die Position der Märchenfigur bestimmt dabei, aus welcher Reihe/Spalte eine Karte verschoben werden muss.

Beispiel: Hat ein Spieler den Froschkönig aufgedeckt, so muss er eine Waldkarte am linken Spielfeldrand aufnehmen und in derselben Reihe von rechts wieder reinschieben. Alle Karten der Reihe wandern so um eine Position nach links.


Variante 2 von Memorinth.
Variante 2 von Memorinth.

Variante 2: Das Spielfeld wird wie im Grundspiel aufgebaut. Allerdings wird an jede Seite des Rasters nur eine Märchenfigur-Karte ausgelegt. Zusätzlich kommt die Rückseite der Aktionskarte ins Spiel. Legt die Karte neben das Spielfeld und die restlichen 4 Märchenkarten an jeweils eine der Seiten der Aktionskarte. Jeder Spieler erhält zudem eine Glückskleemünze.

Wird im Spielverlauf nun eine der vier Märchengestalten aufgedeckt, die neben der Aktionskarte liegt, so darf der Spieler seine Spielfigur nicht bewegen. Stattdessen kann er eine Sonderaktion nutzen. Bedeutet, je nach aufgedeckter Märchenfigur kann er sich nun eine neue Münze nehmen (links), unter eine Waldkarte schauen (rechts), die Position zweier Waldkarten (oben) oder zweier Märchenfiguren (unten) vertauschen.

Fazit zum Memory-Spiel Memorinth

Memorinth ist zunächst einmal mindestens so einfach wie gleichzeitig genial. Der Name des Spiels ist dabei Programm. Merken wo was liegt (Memory) sowie Wege passend auslegen und den Ausgang finden (Labyrinth). Die Idee hinter dem Spiel gefällt uns richtig gut, die Umsetzung leider nicht. Das hat verschiedene Gründe.

Erstmal ist der Bezug zur Märchenwelt in Kinderspielen prinzipiell gut. Nur sind die Illustrationen in Memorinth total überzeichnet: das Rotkäppchen als kleines freches Mädchen, der gestiefelte Kater als Kätzchen neben seinen Sneakers, das Aschenputtel im Kürbiswagen und so weiter. Als Erwachsener kann man da herzlich darüber lachen. Nur leider konnten unsere Kinder mit den Figuren überhaupt nicht anfangen. Allein den Froschkönig und die drei kleinen Schweinchen haben sie auf Nachfrage von uns erkannt. Mit den anderen Figuren stellten sie ohne unsere Unterstützung keine Bezug zu einem Märchen her. Zur Erinnerung, das Spiel wird ab 6 Jahren empfohlen. Das ändert natürlich nichts daran, dass alle Waldkarten und Märchenfiguren wunderschön illustriert wurden. Die Frage bleibt nur, für welche Zielgruppe?

Weiter geht es dann mit dem Spielzubehör. Wie gesagt, alles schön illustriert. Nur ist man sowohl bei Memory als auch im klassischen Labyrinth eher quadratische und vor allem stabile Plättchen gewöhnt. Ebenso werden die meisten Kinderspiele für diese Altersgruppe eher mit sehr stabilem Zubehör ausgestattet. Bei Memorinth werden dagegen doppelseitig bedruckte, quadratische Spielkarten benutzt. Die lassen sich beim ständigen Umdrehen natürlich schwerer greifen und spätestens wenn es in der Meister-Variante ans Verschieben geht, kann das ganz schön nervig sein. Ehrlich, hier hätten wir uns eher Memory-Plättchen statt Karten gewünscht.

Der eigentliche Spielablauf ist dann zum Glück schnell erklärt, die Spielregeln und das Spielziel sehr schlank gehalten. Karte umdrehen, Figur ziehen und so schnell wie möglich raus aus dem Labyrinth. Das ist kurz und auf den Punkt. Da gibt es nicht viel zu erklären. Großer Pluspunkt.

Die dazugehörige Spielanleitung ist dagegen eine kleine Katastrophe. Beispiele: Es befinden sich 6 Münzen im Spiel und nicht wie angegeben nur 5. Es gibt auch keine Übersichtskarte, die man sich als Spieler zu Beginn eigentlich nehmen soll. Weiter gibt es zweimal dieselbe Überschrift mit dem Titel „Ziel des Spiels“, wobei die erste eher in das Spielthema einführt und die zweite den Spielablauf beschreibt. Nirgendwo steht aber mal konkret, was das Ziel des Spiels ist – also, schaffe es als erster Spieler raus aus dem Labyrinth! Weiter steht da, dass die Startkarte mit der hellen Seite nach oben in die Tischmitte gelegt werden soll. In der dazugehörigen Illustration für dem Spielaufbau ist sie aber mit der dunklen Seite nach oben abgebildet. Wozu die Verwirrung?Noch weiter: auf der ersten Seite steht, dass man die Münzen und die Aktionskarte erst im Meister-Memorinth benötigt. Schaut man da dann auf der zweiten Seite im Punkt Meister-Memorinth nach, steht da, dass die Münzen hier keine Bedeutung haben. Alles in allem kann man einem Spieler den Start in ein einfaches Kinderspiel auch schon mit der Einleitung madig machen. Das wäre Pegasus hier tatsächlich fast gelungen! Zum Glück haben wir uns hier nicht unterkriegen lassen, denn das Spiel an sich macht Spaß.

Neben der bisherigen Kritik am Material und dem abgedruckten Regelwerk möchten wir jetzt endlich auf das Spiel kommen. Die einleitenden Worte haben es eigentlich schon auf den Punkt gebracht. Memorinth ist so simpel wie genial, schnell erklärt, aber furchtbar schwer zu meistern – auch oder vielleicht sogar vor allem für Erwachsene. Der Spagat zwischen Wege legen und Märchenfiguren merken hat es in sich. Da die eigentlichen Märchenfiguren verhältnismäßig klein auf den Karten abgebildet sind, achtet man da weniger drauf, als beispielsweise auf den Weg. Gegenüber einem normalen Memory kann man sich die Positionen der Karten viel schwerer merken. Übrigens auch schwerer als beim „Vorgänger“ Memoarrr!, bei dem die Abbildungen viel größer ausgefallen sind und das mit einer Altersempfehlung ab 8 Jahren herausgebracht wurde. Ist natürlich eine persönliche Geschichte, aber uns fällt Memorinth deutlich schwerer. Die Varianten für das Meister-Memorinth hätte es da gar nicht mehr gebraucht.

Unterm Strich ist Memorinth vor allem eins: eine fast schon Neuerfindung des klassischen Memory-Spiels. Bezüglich der Umsetzung hätten wir uns bei der Spielregel eine höhere, redaktionelle Qualität gewünscht, bei den Illustrationen eine altersgemäßere und größere Gestaltung der Märchenfiguren und beim Material stabile Plättchen. Dann wäre alles gut gewesen. So ärgern wir uns jetzt beim spielen heimlich über die kleinen Mängel. Gespielt wird Memorinth aber trotzdem – so gut und als Spiel überzeugend ist es dann zum Glück doch.