Im Brettspiel Räuber der Nordsee gilt es, das Oberhaupt des Stammes zu beeindrucken. Am Besten gelingt das durch Geschenke, die man in Form von Darbringungen macht. Für eine solche Darbringung werden Rinder, Gold, Eisen und Silber benötigt. Leider lassen sich diese nur sehr schwer im eigenen Dorf besorgen. Woher also nehmen, wenn nicht stehlen? Genau! Glücklicherweise befinden sich viele reiche Häfen, Klöster und Festungen in der Nähe. Eine Plünderung bietet sich an, um an die so wichtigen Ressourcen zu gelangen.

Jeder Spieler erhält hierfür ein eigenes Schiff, etwas Startkapital und ein paar mehr oder weniger qualifizierte Dorfbewohner als Karten auf die Hand. Innerhalb eines Spielzuges kann der Spieler immer zwischen zwei Optionen wählen: Entweder im Dorf arbeiten, also Proviant und Rüstungen besorgen, Geld auftreiben und aus den Dorfbewohnern eine schlagkräftige Mannschaft formen. Oder er geht mit seiner Truppe plündern, steuert also eine feindliche Siedlung an und beraubt diese um ihre Schätze.

Bei der Plünderung lassen sich aber nicht nur Schätze erbeuten. Je stärker die Mannschaft des Spielers ist, um so mehr Siegpunkte lassen sich bei einem Beutezug erringen. Weiter treffen die Räuber der Nordsee auf ihren Fahrten auch auf Walküren, die den Spieler in der Regel ein Mannschaftsmitglied kosten kann, langfristig aber Siegpunkte für die Schlusswertung einbringt. Zurück im Dorf, kann der Spieler seinem Häuptling die erlangte Beute darbringen und so in seiner Gunst aufsteigen – was ebenfalls Siegpunkte bringt.

Am Ende werden alle Siegpunkte aus den Plünderungen, der eigenen Rüstung, den Walküren, den erbrachten Darbringungen und den restlichen Ressourcen zusammengezählt. Der Spieler mit den meisten Punkten wird zum größten Rüber der Nordsee ernannt und gewinnt die Partie.

Infos zum Spiel

Spielverlag: Schwerkraft Verlag
Spielautor: Shem Phillips
Erscheinungsjahr: 2016

Altersempfehlung: ab 12 Jahren
Spielerzahl: 2 – 4 Spieler
Spielzeit: 120 Minuten

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Spielzubehör von Räuber der Nordsee

Spielzubehör zu Räuber der Nordsee.
Spielzubehör zu Räuber der Nordsee.
  • 1 Spielplan
  • 18 Walküren aus Holz
  • 18 Goldmarker aus Holz
  • 32 Silbermarker
  • 18 Eisenmarker aus Holz
  • 26 Viehmarker aus Holz
  • 32 Proviantmarker
  • 16 Darbringungsplättchen
  • 12 Siegpunkte-Marker aus Holz
  • 7 Schwarze Arbeiter aus Holz
  • 11 Graue Arbeiter aus Holz
  • 12 Weiße Arbeiter aus Holz
  • 2 Würfel
  • 4 Schiffskarten
  • 71 Dorfbewohnerkarten
  • 1 Stoffbeutel

Spielregeln zu Räuber der Nordsee

Spielvorbereitungen

Die untere Hälfte des Spielplans.
Die untere Hälfte des Spielplans.

Der Spielplan wird in die Tischmitte gelegt. Je ein schwarzer Arbeiter kommt auf die Felder Torhaus, Ratshalle und Schatzkammer. Die grauen und weißen Arbeiter werden auf ihre entsprechenden Felder der Klöster, Häfen, Außenposten und Festungen gelegt.

Die Darbietungsplättchen werden gemischt, gestapelt und verdeckt neben dem Spielplan platziert. Die obersten drei Plättchen werden sofort aufgedeckt und auf die Aussparungen am unteren linken Spielplanrand gelegt.

Das Beutegut wird verteilt.
Das Beutegut wird verteilt.

Alle Ressourcen (Vieh, Eisen, Gold + Walküren) werden in den Stoffbeutel gelegt und gemischt. Anschließend werden für jedes Siedlungsfeld so viele Ressourcen verdeckt gezogen, wie die Zahl in der Ecke des Feldes vorgibt. Die Ressourcenmarker werden dann in das Feld gelegt.

Die Dorfbewohner in Räuber der Nordsee.
Die Dorfbewohner in Räuber der Nordsee.

Der Dorfbewohnerstapel wird gemischt und als verdeckter Nachziehstapel neben den Spielplan gelegt. Jeder Spieler zieht fünf Karten von Stapel und schaut sie sich an. Drei von den Karten behält jeder Spieler auf der Hand, die restlichen Karten werden wieder unter den Nachziehstapel geschoben.

Jeder Spieler entscheidet sich für eine Farbe und nimmt sich dazu passend eine Schiffskarte und die drei Spielermarker. Je einen Marker legt er auf das erste Feld der Rüstungs-, Walküren- und Siegpunkteleiste. Weiter erhält jeder Spieler einen schwarzen Arbeiter sowie zwei Silbermünzen. Ein Startspieler wird ermittelt.

Spielablauf

Ziel des Spiels ist es, über mehrere Spielrunden die eigene Mannschaft zu vergrößern, auszurüsten und mit ihr zahlreiche Plünderungen durchzuführen. Mit der Beute soll dann der Häuptling beeindruckt werden – was Siegpunkte bringt.

Ein Startspieler wird zufällig ermittelt. Dieser führt seinen Spielzug aus. Die anderen Spieler folgen nacheinander im Uhrzeigersinn. Jeder Spieler beginnt und beendet seinen Spielzug mit jeweils einem Arbeiter. Ist ein Spieler an der Reihe, so kann er in seinem Spielzug bis zu zwei Aktionen ausführen. Dabei muss er vorher entscheiden, ob er Arbeiten oder Plündern möchte.

Ein Spielzug in Räuber der Nordsee

Die Grundregel des Spiels besagt: ein Spieler beginnt und beendet seinen Spielzug immer mit genau einem Arbeiter. Hierfür benötigt er zwei Aktionen.

1. Rüstkammer und Silberschmiede sind besetzt, die Mühle ist frei.
Bild 1. Die Rüstkammer und die Silberschmiede sind besetzt, die Mühle ist frei und kann genutzt werden.

Zunächst stellt der Spieler seinen Arbeiter auf ein freies Feld des Spielplans (Bild 2). Die Aktion des Feldes darf er anschließend nutzen. Arbeiter können dabei immer nur auf freie Felder der passenden Farbe (schwarz, grau oder weiß) gesetzt werden. Danach muss er einen anderen Arbeiter vom Spielplan aufnehmen (Bild 3). Auch diese Aktion des Feldes darf er anschließend ausführen. Er führt also immer zwei Aktionen aus.

2. Der Spieler schickt seinen schwarzen Arbeiter in die Mühle.
Bild 2. Der Spieler schickt seinen schwarzen Arbeiter in die Mühle und führt die Aktion aus.
3. Dann nimmt er sich den grauen Arbeiter aus der Rüstkammer.
Bild 3. Dann nimmt er sich den grauen Arbeiter aus der Rüstkammer und führt die Aktion aus.

Beide Aktionen, die ein Spieler in seinem Spielzug zur Verwendung hat, können entweder zum Arbeiten oder zum Plündern genutzt werden. Es ist nicht möglich, innerhalb desselben Spielzuges sowohl zu arbeiten als auch eine Plünderung durchzuführen.

Arbeiten, Mannschaft anheuern und Ausrüstung besorgen

Wer plündern möchte, benötigt eine gute Mannschaft und ausreichend Proviant. Beides bekommt man über die acht Aktionen in der unteren Hälfte des Spielplans – im Dorf.

Im Dorf wird gearbeitet.
Im Dorf wird gearbeitet.

Das Torhaus: Der Spieler erhält die obersten 2 Dorfbewohnerkarten vom Nachziehstapel und nimmt diese auf die Hand. Das Handkartenlimit liegt bei maximal acht Karten. Überzählige müssen am Ende des Spielzugs abgeworfen werden.

Die Ratshalle: Jeder Dorfbewohner verfügt über eine Ratshallenaktion. Nutzt ein Spieler die Ratshalle, darf er einen Dorfbewohner aus seiner Hand abwerfen und die entsprechende Aktion der Karte ausführen.

Die Schatzkammer: Der Spieler wirft einen Dorfbewohner ab und nimmst sich zwei Silber aus dem allgemeinen Vorrat. Er kann auch zwei Dorfbewohner abwerfen und sich dafür ein Gold nehmen.

Die Rüstkammer: Der Spieler zahlt ein Eisen, um zwei Rüstungen zu erhalten. Er kann auch zwei Silber bezahlen, um eine Rüstung zu erhalten. Die gekauften Rüstungen markiert er mit seinem Rüstungsmarker auf der Leiste am Spielplanrand.

Die Mühle: Hier erhält der Spieler entweder Proviant oder Gold. Was und in welcher Menge entscheidet die Farbe des eingesetzten Arbeiters. Ein schwarzer Arbeiter bringt ein Proviant, ein grauer Arbeiter zwei Proviant und ein weißer Arbeiter bringt entweder zwei Proviant oder ein Gold.

Weitere Gebäude des Dorfes.
Weitere Gebäude des Dorfes.

Die Silberschmiede: Hier erhält der Spieler Silbermünzen. Die Menge entscheidet die Farbe des eingesetzten Arbeiters. Ein schwarzer Arbeiter bringt drei Silber, ein grauer oder weißer Arbeiter bringen zwei Silbermünzen.

Das Langhaus: Hier hat der Spieler zwei Optionen. Er kann entweder ein Vieh gegen zwei Proviant tauschen oder sich eines der drei ausliegenden Darbringungsplättchen sichern. Hierzu gibt er alle auf dem Plättchen abgebildeten Beutegegenstände ab und nimmt sich das Darbringungsplättchen. Dieses legt er verdeckt vor sich ab. Der frei gewordene Platz wird mit einem neuen Plättchen vom Nachziehstapel aufgefüllt.

Die Barracke: Hier werden neue Mannschaftsmitglieder angeheuert. Der Spieler wählt einen Dorfbewohner aus seiner Hand aus und legt diesen offen vor sich ab. Die auf der Karte abgebildeten Kosten zahlt er in den allgemeinen Vorrat. Alle offen ausliegenden Dorfbewohner stellen die Mannschaft des Spielers dar. Die eigene Mannschaft darf nie mehr als fünf Karten umfassen. Es dürfen aber Mannschaftsmitglieder abgeworfen werden.

Die Dorfbewohner in Räuber der Nordsee.
Die Dorfbewohner in Räuber der Nordsee.

Die Plünderung

Plünderungen finden in der oberen Hälfte des Spielplans statt – bei den Außenposten, Häfen, Klöstern und Festungen. Zum Plündern benötigt ein Spieler immer eine für den gewählten Ort ausreichend große Mannschaft, genügend Proviant und Gold sowie einen Arbeiter in der passenden Farbe zu Beginn seines Spielzugs.

In beiden Festungen liegt noch Beutegut.
In beiden Festungen liegt noch Beutegut.

Beispiel: Zum Plündern der Festung muss die Mannschaft des Spielers mindestens aus 5 Dorfbewohnern bestehen. Weiter muss der Spieler über 3 Proviant und 2 Gold im eigenen Vorrat verfügen. Um die Plünderung zu starten benötigt er zu Beginn seines Spielzugs einen weißen Arbeiter.

Die Beute: Beide Festungen wurden noch nicht geplündert. Der Spieler kann frei entscheiden, welche der beiden Festungen er angreifen möchte. Links würde er je 1 Vieh und 1 Eisen erbeuten, rechts je 1 Vieh und 1 Gold. Weiter erhält der Spieler rechts eine Walküre (scharzer Marker).

Die rechte Festung wurde geplündert.
Die rechte Festung wurde geplündert.

Die Plünderung: Der Spieler stellt seinen Arbeiter in das freie Kreisfeld unterhalb des Ortes und legt die geforderte Menge an Proviant und Gold in den allgemeinen Vorrat zurück. Somit sind alle Bedingungen für die Plünderung erfüllt. Der Spieler nimmt sich das gesamte Beutegut aus dem Inneren der Festung.

Die Punkte: Jetzt wird die Militärische Stärke des Spielers errechnet. Hierzu wird die Stärke seiner Mannschaft, der Rüstungsleiste und der Würfel zusammengezählt. Bei einer Gesamtstärke von mindestens 22/28/36 erhält der Spieler bei dieser Festung 7/9/12 Siegpunkte. Weitere Punkte für die Plünderung kann er durch besondere Fähigkeiten seine Mannschaft bekommen.

Jede Walküre kostet ein Manschaftsmitglied.
Jede Walküre kostet ein Mannschaftsmitglied.

Die Walküren: Da der Spieler im obigen Beispiel auch eine Walküre aufgenommen hat (schwarzer Marker), darf er seinen Punktemarker auf der Walkürenleiste am linken Spielplanrand um ein Feld weiterziehen. Das bringt bei Schlusswertung zusätzliche Punkte. Das Beutestück kommt anschließend aus dem Spiel. Für jede Walküre, die ein Spieler bei der Plünderung erhält, muss er aber am Ende seines Spielzuges ein Mannschaftsmitglied abwerfen. Das verkleinert zwar die Mannschaft, kann aber auch weitere Vorteile nach sich ziehen. Beispielsweise erhält der Spieler dafür erneut Punkte oder Gold oder kann einen anderen Spieler zwingen, eine Karte abzuwerfen.

Der Rückzug: Zuletzt nimmt sich der Spieler den weißen Arbeiter (von rechte oben) aus der Festung. Damit endet sein Spielzug.

In der Gunst des Häuptlings aufsteigen

Wer mit reicher Beute zurückkehrt, der kann diese in seinem nächsten Spielzug dazu nutzen, um weitere Siegpunkte zu sammeln. Hierzu muss der Spieler die Aktion des Langhauses nutzen. Dort liegen immer drei Darbringungsplättchen zur Auswahl.

Die Darbringungsplättchen.
Die Darbringungsplättchen.

Der Spieler gibt die auf einem Plättchen abgebildete Beute ab und nimmt sich dafür das Plättchen. Im Beispiel links erhält der Spieler 3 Siegpunkte für 1 Vieh und 1 Gold. Im Beispiel rechts dagegen 6 Siegpunkte für 2 Vieh und 2 Eisen.

Spielende und Gewinner des Spiels

Das Spielende kann durch drei Ereignisse ausgelöst werden:

  1. Alle Festungen wurden bis auf ein Beute-Set geplündert.
  2. Der Nachziehstapel an Darbringungsplättchen ist leer.
  3. Es befindet sich keine Walküre mehr auf dem Spielfeld.

Tritt eines der Ereignisse ein, kommt jeder Spieler noch genau einmal an die Reihe und darf einen vollständigen Spielzug (mit 2 Aktionen) ausführen.

Dann erfolgt die Schlusswertung. Jeder Spieler erhält für die folgenden Leistungen Siegpunkte und zieht seinen Siegpunktestein: Position seines Markers auf der Walküren- und Rüstungsleiste, Punkte durch Darbringungsplättchen, Punkte durch ausliegende Mannschaftsmitglieder, Punkte durch Beute im eigenen Vorrat. Der Spieler mit den meisten Punkten ist der größte Räuber der Nordsee.

Fazit zum Brettspiel Räuber der Nordsee

Die Räuber der Nordsee hat es auf die Nominierungsliste zum Kennerspiel des Jahres 2017 geschafft. Allein das war für uns Grund genug, einen tieferen Blick auf das Spiel zu werfen. Entgegen unserer Erwartungen wurden wir hier überaus positiv überrascht.

Das Spielzubehör ist nahezu tadellos. Der Spielplan und die Dorfbewohnerkarten sind sehr ansprechend illustriert. Die eingesetzten Symbole gut gewählt und leicht zu verstehen. Sämtliche Marker sind aus Holz, alle Plättchen überaus stabil. Die beigelegte Spielregel ist gut strukturiert und lässt keine Fragen offen.

Das Spielverlauf an sich ist auf den ersten Blick recht linear: Mannschaft anheuern, ausrüsten, Siedlungen plündern, Darbietung erbringen. Doch der intelligente Setzmechanismus für die Arbeiter macht dieses Geschehen sehr interessant. Denn nicht nur der aktuelle, auch der nachfolgende Spielzug muss immer vorausgeplant werden. Wer seinen Spielzug mit der falschen Arbeiterfarbe beendet, kann im nachfolgenden Spielzug nicht mit der vielleicht benötigten Aktion starten. Weiter können auch nur bestimmte Arbeiter bestimmte Aktionen ausführen und nicht immer sind diese verfügbar. Und selbst wenn sie es sind, ist das Aktionsfeld vielleicht gerade von einem Mitspieler belegt worden. Der Setzmechanismus ist insgesamt sehr gut gelungen. Es fällt kaum auf, dass ein Spielzug nur aus „Arbeiter setzen“ und neuen „Arbeiter nehmen“ besteht.

Weiter können die Spieler durch das gezielte Aufbauen von Rüstungen und die Veränderung der eigenen Mannschaft immer wieder gezielt dafür sorgen, dass sie bei jeder Plünderung Zusatzpunkte mitnehmen. So bringen einige Dorfbewohner Vorteile bei Angriffen auf Klöster öder Festungen, andere bringen Punkte oder Gold, wenn sie durch eine Walküre im Kampf fallen. Auf das richtige Mannschaftsmitglied zur richtigen Zeit kommt es an.

Unter Strich muss man für Räuber der Nordsee zwar nur wenige Spielregeln beherrschen. Trotzdem bietet das Spiel den Spielern viele Möglichkeiten, um Punkte zu gewinnen und jede Partie ein wenig anders zu gestalten. Die tolle Aufmachung erledigt dann den Rest. Uns hat das Spiel überzeugen können.

ÜBERBLICK DER REZENSION
Originalität / Idee
80 %
Spielzubehör
90 %
Langzeitspaß
90 %
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