Nimmt man es ganz genau, dann holen sich die Spieler mit The Mind kein normales Kartenspiel sondern vielmehr ein Experiment auf den Tisch. Und auf jeden Fall ein (Gemeinschafts-)Erlebnis. Das Ziel des Spiels ist dabei recht simpel: eine bestimmte Zahl an Karten in der richtigen Reihenfolge aus der Hand ablegen. Die Herausforderung daran: die Spieler dürfen nicht miteinander reden und sich ihre Karten auch nicht zeigen. Vielmehr müssen sie ein gemeinschaftliches Gefühl für den richtigen Zeitpunkt entwickeln, an dem eine bestimmte Karte beziehungsweise ein Kartenwert abgelegt werden kann.

Gespielt wird über mehrere Runden, die in The Mind als Level bezeichnet werden. Im ersten Level erhält jeder Spieler nur eine Karte auf die Hand, im zweiten Level dann zwei Karten und so weiter. Maximal 12 Level können absolviert werden. Konnten alle Spieler ihre Karte(n) fehlerfrei ablegen, steigen sie in das nächsthöhere Level auf.

Da beim Ablegen der Karten auch mal Fehler passieren können, werden die Spieler zu Beginn mit Leben ausgestattet. Wird eine Karte einmal falsch abgelegt, verlieren sie eines ihrer Leben. Weiter erhalten die Spieler zu Beginn auch einen Wurfstern. Dieser erlaubt ihnen, zu einem beliebigen Zeitpunkt einer Runde die jeweils niedrigste Handkarte jedes Spielers offen abzuwerfen.

Durch das Erfüllen der Level können sich die Spieler Im Spielverlauf weitere Leben und Wurfsterne dazu verdienen. Die Gemeinschaft gewinnt, wenn sie alle Level erfolgreich absolvieren. Andernfalls gewinnt das Spiel.

Infos zum Spiel

Spielverlag: NSV
Spielautor: Wolfgang Warsch
Erscheinungsjahr: 2018

Altersempfehlung: ab 8 Jahren
Spielerzahl: 2 – 4 Spieler
Spielzeit: 15 Minuten

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Spielzubehör von The Mind

Spielzubehör von The Mind.
Spielzubehör von The Mind.
  • 100 Zahlenkarten mit den Werten 1 – 100
  • 12 Levelkarten
  • 5 Lebenkarten
  • 3 Wurfsternkarten

Ausführliche Spielregeln zu The Mind

Spielvorbereitungen

Spielaufbau der ersten Runde mit vier Spielern.
Spielaufbau der ersten Runde mit vier Spielern.

Die Lebens- und Wurfsternkarten werden abhängig von der Spielerzahl ausgelegt. Bei 2/3/4 Spielern sind das 2/3/4 Lebenskarten und 1 Wurfstern.

Die Levelkarten werden numerisch gestapelt, so dass die niedrigste Karte oben und die höchste Karte unten liegt. Auch hier richtet sich die Anzahl an Level nach der Spielerzahl. Bei 2/3/4 Spielern wird mit 12/10/8 Levelkarten gespielt.

Die Zahlenkarten werden verdeckt gemischt. Anschließend erhält jeder Spieler eine Karten und nimmt sie verdeckt auf die Hand. In späteren Runden erhalten die Spieler immer Karten entsprechend des aktuellen Levels verdeckt auf die Hand, also bei Level 1 eine Karte, bei Level 2 zwei Karten, usw.

Spielablauf

Ziel des Spiels ist es, gemeinsam als Team alle Level von The Mind zu meistern.

Das Spiel beginnt für alle Spieler gleichzeitig. Es gibt keine Spielerreihenfolge. Jeder Spieler schaut sich seine Handkarte(n) an. Sobald er bereit zum Spielstart ist, legt er seine freie Hand flach auf den Tisch. Sind alle Spieler bereit, geht es los.

Um ein Level zu meistern, müssen die Spieler alle Handkarten in numerisch aufsteigender Reihenfolge in der Tischmitte ablegen. Also zuerst die Karte mit der niedrigsten Zahl, dann die Zweitniedrigste und am Ende die Karte mit der höchsten Ziffer.

Die Herausforderung dabei: Die Spieler dürfen sich untereinander nicht absprechen, niemandem ihre Karten zeigen oder deren Zahlenwert verraten. Jegliche verbale oder nonverbale Kommunikation ist untersagt. Umso wichtiger ist es, dass sich alle mit Handzeichen verständigen (Start/Stopp) und sehr gut konzentrieren.

Eine Beispielrunde von The Mind / Level 2:

Beispielrunde für Level 2.
Beispielrunde für Level 2.

Karten austeilen: Es wird zu viert gespielt. Level 1 haben die Spieler bereits gemeistert. In Level 2 erhält nun jeder Spieler bereits zwei Karten verdeckt auf die Hand. Jeder schaut sich seine Karten an und legt eine Hand flach auf den Tisch.

Der Spieler links hat zwei relativ niedrige Werte auf die Hand bekommen, die Karten mit den Ziffern 9 und 14. Da die Mitspieler nach dem Start alle zögern, legt er die 9 offen in die Tischmitte und wartet wieder. Da immer noch nichts passiert, legt er anschließend die 14.

Die übrigen Spieler lassen weiterhin viel Zeit vergehen. Verständlich, da der Abstand zwischen der ausgelegten Karte 14 und der nächsthöheren Karte 40 zu hoch erscheint. Letztendlich legt der rechte Spieler mutig die Karte 40 offen in die Tischmitte und wartet wieder. Sein linker Nachbar legt nun die Karte 53 ab. Bisher ist keinem Spieler ein „Fehler“ unterlaufen.

Level 2 mit etwas Glück und viel Spannung gemeistert.
Level 2 mit etwas Glück und viel Spannung gemeistert.

Am Ende wird es spannend. Die verbliebenen Handkarten der Spieler liegen mit den Zahlenwerte 72, 77, 79 und 83 sehr nah beieinander. Hier ist außerordentliche Konzentration (und ja, viel Glück) gefragt. Nach einer Weile legt ein Spieler die Karte 72. Theoretisch müssen jetzt zwei Spieler sofort ihre 77 bzw. 79 nachlegen. Hier spielt mehr denn je das Zeitgefühl und das Glück ein große Rolle. Ebenso bei der 83, die als letzte Karte aber ganz entspannt abgelegt werden kann. Level 2 ist geschafft. Zur Belohnung erhalten die Spieler einen neuen Wurfstern.

Wozu ist der Wurfstern da?

Der Wurfstern hilft den Spielern beim Ausdünnen ihrer Handkarten. Die Aktion kann von jedem Spieler des Teams vorgeschlagen werden. Hierzu hebt ein Spieler einfach seine Hand. Stimmen alle Spieler zu, wird die Wurfsternkarten aktiviert (und anschließend aus dem Spiel genommen). Jeder Spieler wirft jetzt seine niedrigste Handkarte offen ab. So wird die Kartenzahl reduziert und jeder Spieler sieht, welches die niedrigste Handkarte jedes Mitspielers gewesen ist.

Was geschieht bei einem Fehler?

Ein Fehler geschieht, wenn eine Zahlenkarte in der falschen Reihenfolge abgelegt wird. Sollte ein Spieler einmal eine Karte mit einem Wert ablegen, der höher ist als der Wert einer Handkarte eines Mitspielers, dann wird das Spiel sofort unterbrochen.

Das Team verliert eine Lebenskarte und darf nun alle Handkarten aus dem Spiel nehmen, die einen niedrigeren Wert aufweisen, als die falsch ablegte Zahlenkarte. Dann geht die Runde weiter. Alle Spieler konzentrieren sich wieder auf ihre verbliebenen Handkarten und legen eine Hand flach auf den Tisch, sobald sie bereit sein.

Was passiert, wenn man ein Level meistert oder daran scheitert?

Wird ein Level erfolgreich absolviert, starten die Spieler die nächste Runde mit dem nachfolgenden Level und einer zusätzlichen Handkarte. Mit Ausnahme von Level 1 erhält das Team in der Regel noch eine Belohnung in Form einer Lebens- oder Wurfsternkarte.

Wird das Level nicht gemeistert, also wird eine Zahlenkarte falsch abgelegt und verfüt das Team über keine Lebenskarten mehr, dann geht nicht nur das Level sondern auch das Spiel verloren.

Spielende und Gewinner des Spiels

Das Spiel endet, sobald das Team alle erforderlichen Level erfolgreich abgeschlossen hat (und gewinnt!) oder seine letzte Lebenskarte abgeben musste (und verliert!).

Fazit zum Kartenspiel The Mind

Irgendwie hat sich die Entwicklung abgezeichnet. In Hanabi mussten die Spieler ihre Karten verkehrt herum auf der Hand halten, so dass ein Spieler die eigene Kartenhand nicht mehr kannte, dafür aber die seiner Mitspieler. In The Game musste sie dann gemeinsam Karten auf vier Reihen verteilt ablegen, ohne sich über die eigenen Zahlen auf der Hand auszutauschen. Aber wenigstens durfte man sich hier noch leichte Hinweise geben.

Nun kommt The Mind – auch hier müssen Karten in der richtigen Reihenfolge abgelegt werden. Die Spieler dürfen sich in diesem Kartenspiel aber nicht mehr unterhalten und keinerlei verbalen oder nonverbalen Hinweise geben. Und trotzdem sollen sie die Karten in der richtigen Reihenfolge auslegen – mittels der Kraft ihrer Gedanken. Der Spiel des Jahres Jury hat die Idee zumindest für eine Nominierung zum Spiel des Jahres gereicht.

Das Spielzubehör ist insgesamt gut. Die Spielkarten sind von handelsüblicher Qualität. Optisch wurde alles sehr ansprechend gestaltet. Die Spielregeln sind kurz gehalten und verständlich. Für „Zweifler“ und Spieler von „erfolglosen Partien“ befindet sich in der Spielregel ein Absatz zum Spielprinzip – also worauf es bei The Mind ankommt (und wie man zu einem ersten Erfolgserlebnis gelangt).

Zugegeben, unsere Erwartung an das Spiel(-erlebnis) waren nach dem Lesen der Spielregel nicht besonders hoch. Die erste Runde, in der auch nur eine Karte pro Spieler abgelegt wird, bestätigte unseren Verdacht der Willkür im Spiel zunächst. Aber natürlich wollten wir auch The Mind erfolgreich durchspielen und haben weitergemacht.

Mit jedem neuen Level stieg auch der Schwierigkeitsgrad und unsere Freude darüber, alle Karten ohne jegliche Kommunikation in der richtigen Reihenfolge abgelegt zu haben. Umgekehrt ärgerten wir uns, wenn eine Karte falsch abgelegt wurde und wir eine Lebenskarte abgeben mussten. Irgendwie schaffte es dieses kleine Spiel, die gesamte Gruppe am Tisch bei ihrem Ehrgeiz/Stolz zu packen. Natürlich spielten wir weiter- bis uns die Leben ausgegangen sind. Und danach starteten wir von vorne.

Alles in allem kann The Mind, trotz oder gerade wegen seiner schlangen Spielregeln, sehr viel Spaß machen. Als Mitbringspiel ist es bestens geeignet, da klein, kompakt und schnell erklärt. Der Wiederspielreiz innerhalb einer festen Gruppe sinkt (rapide), sobald das Spiel einmal fair gewonnen wurde. Bis dahin vergehen aber garantiert einige Partien. Sobald neue Spieler dazukommen, wird es aber schon wieder interessant.

Idealerweise spielt man The Mind mindestens zu dritt. Und es ist sehr wichtig, dass sich alle Spieler auf das Kartenspiel einlassen. Andernfalls kann es nicht funktionieren. Zu zweit haben wir es ebenfalls ausprobiert. Dass hat aber weder Spaß noch viel Sinn gemacht. In der richtigen Spielgruppe entfaltet The Mind dann aber seinen ganzen Charme und ist durchaus ein kleines Gemeinschaftserlebnis.

ÜBERBLICK DER REZENSION
Originalität / Idee
70 %
Spielzubehör
80 %
Langzeitspaß
60 %
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